Menschen, speziell Mütter, sind Egoisten.
Zuerst eine kleine Anekdote, beobachtet in der U-Bahn in München: kommt eine Frau mit einem extra breiten, extra hohen Kinderwagen aus dem Lift auf den Bahnsteig. Hier stehen mehrere Mütter mit viel kleineren, teils klappbaren Kinderwägen. Empörter Stoßseufzer der Frau mit dem übergroßen Kinderwagen: lauter Kinderwägen!
Um genau diesen Mutteregoismus geht es in dieser gute-Laune-Komödie von Noémie Saglio. Und daraus sich ergebende Konflikte. Noémie Saglio hat das mit Drehbuchhilfe von Agathe Pastorino ganz raffiniert gedeichselt. Vielleicht hat sie Les Frustrés von Claire Bretécher verinnerlicht: dort ist ein Mutter-Tochter-Verhältnis gezeichnet, das die Mutter mit allen Insignien des Punks und des pubertierenden Teens auszeichnet, während die Tochter die brave, korrekte Hausmutti ist.
Mutter Mado, der Film ist auch ein Starvehikel für Juliette Binoche, die generell etwas größer und besser ausgeleuchete Nahaufnahmen erhält und anfangs sehr viel lächelt, trägt enge Jeans, Lederjacke, kaut Kaugummi, raucht, benimmt sich flegelhaft, kann aber nicht alleine leben, aber auch nicht mit ihrem Ex, dem Dirigenten Marc (Lambert Wilson).
So hockt sie ihrer Tochter Avril (Camille Cottin) auf der Bude. Diese bekommt auch beruflich gezeigt, dass sie nicht gut ist. Sie arbeitet bei Odorora, einer Firma die künstliche Gerüche herstellt. Eben wird Avril von ihrer Chefin Cécile (Olivia Côte) zur Entwicklerin von Klo-Häuschen-Aromen degradiert, von der Wäschefee zur WC-Bedufterin, ein Job, der in so einer Brausetabletten-Komödie nur schief gehen kann.
Glücklich kann Avril immerhin ihrem Mann, der auch ihr Sohn sein könnte, Louis (Michael Dichter) und ihren Eltern verkündigen, sie sei schwanger. So richtig begeistert sind nur die nicht allzu hellen Schwiegereltern. Das ist die Hälfte der Exposition für die Komödie.
Der zweite Teil besteht darin, dass auch Mama Mado eine Schwangerschaft bei sich entdeckt. Qualität so einer Komödie ist es nun, den urplötzlich akut werdenden Mutteregoismus beider Frauen direkt und ungebremst und in aller Deutlichkeit aufeinander loszulassen, die Muttertiere sich fetzen zu lassen.
Die Ausgangslage für heftige komödiantische Situationen ist somit gegeben. Diese entwickeln sich so, dass nach anständigen 90 Minuten und Seitenhiebern nach da und nach dort und nach überallhin selbstverständlich eine Versöhnung zustande kommt, denn so heiß gegessen wie gekocht, wird das alles auch wieder nicht. Entscheidungshilfe beim Thema Abtreibung: Unfall oder Abenteuer?