Kino für Kinogenießer, Kino für Leute, die Kinokönnerschaft schätzen als Art-Work, als kunstvoll Gewirktes.
Wie erzähle ich eine Liebesgeschichte, die gleichzeitig eine fotographische Libeserklärung an die portugiesische Hafenstadt Porto und ebenfall eine Verbeugung vor dem großen portugiesischen Filmemacher Manoel de Oliveira ist, dessen erster dokumentarische Kurzfilm „Douro, Faina Fluvial“ sich mit den Hafenarbeitern und Fischern von Porto am Fluss Doura beschäftigt hat?
Gabe Klinger, der mit Larry Groß auch das Buch geschrieben hat, interessiert sich nicht mehr für Arbeitsbedingungen und Menschenschinderei. Ihn interessiert es, ein Porträt der Stadt in Kombination mit einer Liebesgeschichte zu entwerfen. Wie gehe ich mit der Offenheit dieser Stadt angemessen um, dürfte eine Hintergrundfrage gewesen sein.
Die schützende Hand über der cineastischen Auserlesenheit des Filmes hat sicher auch im Hinblick auf das filmische „Design“ Jim Jarmusch als Produzent gehalten. Dafür garantiert auch die Auswahl der Darsteller: Anton Yelchin als Jake und Lucie Lucas als Mati in den Protagonistenrollen. Es gibt Hinweise auf die Internationalität seiner Figuren.
Mati kommt aus Frankreich, ist Archäologin und hat ihren Prof (Paulo Calatré) geheiratet, einmal besucht sie ihre Mutter in Paris (Francoise Lebrun). Jake ist Diplomatensohn und wollte bei der nächsten Versetzung des Vaters nicht mehr aus Portugal weg. Aktuell jobbt er, er hat keine Karriereambitionen, streift mit seinem Hund Schmitty durch Porto; er hat eine dezidierte Lebensphilosophie.
Die Schicksalshaftigkeit der Liebe lässt sich aus zwei zufälligen Begegnungen am Ausgrabungsort und am Bahnhof erahnen, auch für die Protagonisten. Jake ist sofort klar, dass er Mati, die er noch gar nicht kennt, im Café Ceuta (die Stadt gleichen Namens ist ein Einfallstor aus Afrika nach Europa – oder das Link des Filmes zu Afrika) folgen würde mit anschließend vorerst definitiven Liebesfolgen.
Erlesenes Arthouse erzählt so eine Geschichte logischerweise nicht gradlinig von A nach B. Erlesenes Arthouse leuchtet anders in die Figuren hinein, gibt ihnen Kontur und Volumen.
Klinger hat sich dafür entschieden, die Figuren erst in ihren Vereinzelungen vorzustellen als je ein Kapitel und als drittes die Liebe und ihre Energien passieren zu lassen.
Dabei wechselt er kunstvoll das Bildformat, schafft zusätzliche Schaureize und -werte durch den Einsatz von Super 8 und dann wieder von vollem Breitwandbild. Musikalisch bekommt jedes Kapitel die individuell angepasste Untermalung von der leicht klimpernden Klavierimprovisation über das Geigenspiel bis hin zum vollen, runden Jazzsound – wobei zwischendrin auch ein Bahnhofgrundgeräusch nicht auf massive Überhöung und Stilisierung verzichten muss.
Durch die Summe all dieser Kunsttricks schafft Klinger einen erstaunlich treffenden Spiegel modernen Lebens in einer pulsierenden Stadt. Vielleicht ist eine künstlerische Nähe zum Kupferstich zu signalisieren, in dem Sinne, dass der Betrachter hier wie dort sich dem Objekt aktiv zuneigt, um ja keine Finnesse zu verpassen, um die ganze Schönheit dieses ästhetisch-poetischen Filmes zu genießen.