Die Wunde – Inxeba

In flagranti

ertappt der Initiierte Kwanda (Niza Jay), ein frecher Schnösel aus der Stadt, in idyllischem Grün zu Füßen eines Wasserfalls seinen persönlichen Initiations-Betreuer Xolani (Nakhane Touré) nackt und eng umschlungen beim schwulen Sex mit dessen verheirateten Jugendfreund Vija (Bonile Mantsai).

Und in flagranti ertappt dieser Film von John Trengove, der mit Malusi Bengu und Thando Mgqolozana auch das Drehbuch geschrieben hat, die scheinheilige Moral Südafrikas im Umgang mit Schwulität.

Das wiederum hat früheren europäischen Kolonialmächten so gut gefallen, das sie den Film vielseitig förderten. So hinterlässt er ein postkoloniales Geschmäckle, was allerdings mehr als wettgemacht wird durch die filmerzählerischen und inszenatorischen Qualitäten von Trengove. Er schafft es, diesen Schleier über dem Thema mit Verve transparent zu machen.

Seine Hauptfigur ist der schwule Xolani. Er arbeitet in der Stadt als Gabelstaplerfahrer in einem Lagerhaus. Zu den Initiationsriten kehrt er jeweils zu seinen Heimatvolk, den Xhosa, in die Berge zurück und arbeitet als Betreuer. So gelangt auch das Thema Beschneidung in den Film.

Diesmal soll Xolani sich um einen einzigen zu Initiierenden kümmern, um den rebellischen Kwanda aus reichen Verhältnissen in der Stadt, das „Weichei aus Johannesburg“. Der ist somit auch unter den Initiierten ein Außenseiter – was seine direkte und freche Zunge nicht zähmt.

Bei den Riten trifft Xolani regelmäßig seinen Jugendfreund Vija. Seinem Initiierten erzählt er, sie hätten als Buben zusammen Vögel gefangen. Als Erwachsene vergnügen sie sich bei diesen Treffen anders und Xolani gibt ihm auch Geld dafür. Das darf aber niemand wissen, denn Vija ist verheiratet.

Über das Beschneidungsritual weist Trengove schön auf die Schwanzfixiertheit dieser nichtschwulen (wie sie behauptet) Männer-Gesellschaft hin. Erst müssen die Jungs, die Männer werden wollen, ihre Schwänze den Dorfältesten zeigen. Diese luren wie Geier auf die Objekte, die sie intensiv begutachten, denn Mann oder Nicht-Mann, das ist hier die Frage.

Es kommt der Beschneider und zack zack sind die Vorhäute weg. Die Initiierten sind weiß bemalt, tragen ein Tuch um den Körper und sollen jetzt zwei Wochen lang in einem Camp zusammenbleiben, bis die Wunde verheilt ist.

Kwanda lebt abgesondert. Die Angst von Xolani, dass seine Liebesbeziehung zu Vija auffliegt, führt dazu, dass diese auffällig wird. Xolani verbietet Kwanda den Kontakt zu Vija, was ihn nur noch neugieriger macht. Es gibt Gerüchte, Gerede und selbstverständlich ist keiner der neuen Männer schwul. Aber die Betreuer nehmen auch Inititierte her.

Kwanda ist die treibende Kraft, die das Thema zur Sprache bringt. Er kommt dahinter. Er selbst erlebt es ja passiv auch. Er soll bei seiner Rückkehr in die Stadt den Mantel des Schweigens weitertragen. Dass er das nicht tut, ist für Xolani und Vija die größte Gefahr.

Nicht nur die Beschneidung ist eine delikate Wunde – auch das unausgesprochene Thema der Homosexualität.

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