It Was Fifty Years Ago Today! … Sgt Pepper and Beyond

Ganz schön mutig

vom Verleih, diesen Film von Alan G. Parker nach dem Drehbuch von Julia Baird, Andre Barreau und Pete Best so ins Kino bringen zu wollen. Wen interessiert denn schon die Mandelentzündung der Schwester von John Lennon, oder war es die Sekretärin von Brian Epstein, dem Beatles-Manager, anno 1967?

So, wie diese Dokumentation in der Pressevorführung gezeigt wurde, dauert sie nicht wie angegeben 114 Minuten, sondern ca. 134, weil nämlich vor dem Titel eine lose Aneinanderreihung von aparten Archivaufnahmen vom Beat Club abgespielt wurde, Songs in der ganzen Länge wie „Obladi oblada“ mit Werbung für West-India-Marmelade im Hintergrund, „Hey Jude“, eine Frauengruppe singt „Come Together“, Tony Sheridan „My bonnie is over the ocean“ oder dann die Ansage der Hitnummern einer Woche beginnend mit Nummer 5, das war Dean Martin mit „Gentle on my mind“ bis zur Nummer 1, wenig überraschend, die Beatles.

Der Filmebetrachter denkt sich, hm, interessant, Doku als eine lose Aneinanderreihung ganzer Archivaufnahmen, unkommentiert, ungebügelt, aber kann man das schon einen Dokfilm nennen? Immerhin angenehm, dass auf den ganzen Statement-Blösdinn verzichtet wird.

Weitere Reflektionen darüber, wie weit ein Dokumentarist seinen Stoff aufbereiten soll, wie weit er eine eigene Linie hineinbringen soll, aber auch wie weit er ihn möglicherweise mit allzuviel Gedöns von Zeitgenossen stranguliert.

Zu früh gefreut. Nach diesem lose aneinandergereihten Archiv-Footage kommen die Titel, bunt animiert, fängt der Film ganz reell an. Mit dem modischen Mix aus Archivfootage und jeder Menge Statements der üblichen Verdächtigen, gut gealtert und so groß im Bild, dass das Alter nicht nur appetitlich wirkt, das sind hier die Schwester von John Lennon, die Sekretärin von Brian Epstein und weitere zugewandte Orte, Autoren, Journalisten, Freunde, Bekannte, Verwandte.

Der Titel hält, was er verspricht, das Beatles-Album „Sergeant Pepper und darüberhinaus“, wobei beides viel Blabla enthält, Interessantes und weniger Interessantes, Wichtiges und weniger Wichtiges, der Film verzettelt sich im „Beyond“.

Wie die Beatles auf den Schnäuzer kamen. Wie John Lennon und Yoko Ono in Amsterdam 7 Tage für den Frieden schliefen oder was er seinem Sohn zum 4. Geburtstag schenkte. Was es mit Lucy in the Sky und mit LSD auf sich habe oder mit den 20 Dollar in der Sandale.

Beim Seargant Pepper nimmt vor allem das Thema der extrem aufwändigen und teuren Gestaltung des Covers viel Raum ein. Vorher wurde der Spot gerichtet auf das Klatschthema um die Jesus-Bemerkung von Paul McCartney und den Aufstand dagegen in den USA, die Absage der Einladung von Imelda Marcos auf den Philippinen und die Schlägertypen, die die Beatles das Fürchten lehrten, ebenfalls auf der berühmten Welttournee.

Es gibt Hinweise auf den gebildeten Background vor allem von Paul McCartney und dass er im Gegensatz zu den anderen Beatles es vorzog, in London zu leben. Ein extensiveres Kapitel ist der Homosexualität und dem Tod von Brian Epstein, ihrem Tourmanager gewidmet, eine anderes der Beziehung der Beatles zum indischen Guru Maharishi, eines dem LSD, eines der Geschäftstätigkeit mit dem Label Apple und dem Klamottenladen.

Die Autoren kommen vom Hundertsten ins Tausendste bis zu den letzten Anrufen von Epstein auf einen der ersten Anrufbeantworter überhaupt und bis zur besagten Mandelentzündung. Es scheint, die Autoren haben kein klares Konzept, vertüdeln sich im Material, was sie gesichtet haben müssen, und in den Interviews.

Was für ein anderer Film war dagegen The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years, der in einem Schwung und hochspannend mit viel Archivfootage nacherzählt, wie die Beatles in jener Zeit wie eine Naturgewalt über die Welt gekommen sind, sie als ein einzigartiges Phänomen dargestellt, ohne das extra betonen zu müssen, wie es hier am Schluss mit Statements noch rinnsalhaft passiert.

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