Wie kann Völkermord im Kino erträglich geschildert werden?
Großes, episches Erzählkino, gekonnt, gefühlvoll, spannend und – politisch hochbrisant, auf jeden Fall in der Türkei, da in ihr zur Zeit vergleichbare Prozesse von Diskriminierung und Verhaftung von Journalisten ablaufen (ob allerdings die Botschafter der westlichen Länder beim Innenministerium in Ankara ebenso bestimmt und beherzt auftreten, wie der amerikanische Botschafter in diesem Film, muss nicht als ausgemacht gelten).
Der Film dürfte in der immer diktatorischer geführten Türkei kaum öffentlich zur Aufführung freigegeben werden.
Das titelgebende Versprechen ist ein Hochzeitsvesprechen. Michael (Oscar Isaac) ist ein begabter, medizinisch interessierter junger Mann, schöner Mann dazu, filmschön, filmattraktiv. Er möchte in Konstantinopel Medizin studieren (wir schreiben das Jahr 1914 und befinden uns in der südtürkischen Stadt Siroun). Von Hause aus hat er das Geld nicht. Also verspricht er Maral (Angela Sarafyan) die Hochzeit; für die Mitgift (400 Golddukaten) will er in Konstantinopel im Schnelldurchgang statt in drei in zwei Jahren Medizin studieren, um dann zurückzukehren, sie zu heiraten und in seiner Heimatstadt ein Spital aufzubauen. So weit das Versprechen. So weit die Pläne.
Konstantinopel, die hochtourige Metropole, das auseinanderbrechende osmanische Reich, die Politik werden der Einlösung dieses Versprechens in die Quere kommen. Und auch andere menschliche Horizonte und Begegnungen.
In kurzen, griffigen Szenen schildert Terry George, der mit Robin Swicord auch das sorgfältige Drehbuch geschrieben hat, das Leben in Konstantinopel, Studentensituationen, die Beziehungen über die Heirat zu einem Onkel, die Begegnung mit Ana (Charlotte Le Bon), die die Kinder des vermögenden Onkels in Ausdruckstanz unterrichtet, den Associated-Press-Journalisten Chris Meyers (Christian Bale) und den Mitstudenten Emre Ogan (Marwan Kenari), dessen Vater ein hoher Politiker ist und der nur Medizin studieren will, um nicht in den Militärdienst eingezogen zu werden.
Dieses Merkmal der unterschiedlichen Interessen an der Medizin schildert eine keine Zweifel übrig lassende Szene aus der Pathologie.
Die Gefühle explodieren zwischen Ana und Michael, obwohl er doch Maral die Hochzeit versprochen hat und auch weiß, dass Ana mit dem Journalisten Chris ein Verhältnis hat.
Terry George schildert das viel weniger groschenhaft, als sich das in dieser verkürzten Wiedergabe möglicherweise liest.
Es machen sich die ersten Anzeichen des Armenier-Progroms bemerkbar. Das betrifft unseren Protagonisten, seinen Onkel und Ana direkt, da sie Armenier sind. Und es betrifft den Journalisten, der darüber berichten möchte, es betrifft den Studienkollegen Ogan, der mit diesen Leuten befreundet ist.
Die politisch rasant sich verschlechternde Lage bricht jetzt brutal in die Planungen von Mikael ein, treibt ihn auf gefährlichen, abenteuerlichen Wegen inklusive Gefangennahme und Mitansehen von Greueln, mit Zwangsarbeit und Flucht wieder zurück in seinen Heimatort.
Auch in Siroun ist alles in Aufruhr, in Gefahr. Aber da es sich um einen Liebesfilm handelt, von einer großen Liebe, die allerdings selbst ständig gefährdet hautnah am Völkermord der Armenier stattfindet, findet diese Geschichte, damit sie überhaupt irgendwie erträglich wird, ein relativ glückliches Ende.
Thema: Völkermord im Kino erträglich zu machen durch Abfedern mittels einer großen Liebesgeschichte.