Restaurierte Fassung des Filmes von King Hu von 1967.
China im 8. Jahr der Herrschaft des Ming-Kaisers Jingtai, 1457 n. Chr.
Die Palasteunuchen haben die Herrschaft übernommen. Sie kontrollieren den Kaiserhof und die zwei größten Geheimorganisationen: den Ostdienst und die Kaiserliche Garde —- beide skrupellos und gnadenlos. Allein ihre Erwähnung versetzt das Volk in Angst und Schrecken. Ihr zweiter Kommandeur: Mao Zongxian. Der oberste Kommandeur: Pi Shaotang,. Gut ausgebildete Kämpfer, die vor keiner Tat zurückschrecken. Oberhaupt: Eunuch Cao Shaoqin (in der Sänfte), unvergleichlicher Schwertkämpfer. Alle Würden- und Amtsträger erzittern bei seinem Anblick.
Das sind die Infos, die in den ersten anderthalb Minuten auf den Zuschauer einprasseln, in diesem Film von King Hu von 1967, der jetzt vom „Taiwan Film Classical Digital Restauration and Value-Adding Project“ im Auftrag des Kulturministeriums beim Chinese Taipei Film Archive neu herausgebracht wird.
Beim Betrachten des Getues und des Sich-Aufführens dieses präpotenten Eunuchen, muss man nicht weit suchen nach heutigen, wütenden Eunuchen: Putin, Erdogan, Assad, Trump ……
Heute beobachtet der Eunuch die Hinrichtung eines loyalen Lehrers eines Prinzen.
Das Prinzip ist ähnlich wie im anderen restaurierten King-Hu-Film Ein Hauch von Zen: Miese Usurpatoren haben den Kaiser entmachtet und verfolgen mit verschiedenen Geheimdiensten die lebenden Überbleibsel der „guten“ Macht.
An einem äußersten Zipfel des Kaiserreiches spiegeln sich die Machtkämpfe wieder, kumuliert und verdichtet sich das Aufeinandertreffen von Protagonisten, Flüchtlingen, Verfolgern.
Während allerdings bei „Ein Hauch von Zen“ über allem die philosophische Frage von Gewalt und Gewaltlosigkeit schwebt, Konfuzius, geht es hier, einem früheren Film von King Hu, irdischer zu und her, kneipenhafter, denn der Punkt weit außen im Kaiserreich ist die „Herberge zum Drachentor“.
Hier treffen sie alle aufeinander, die verschiedenen Geheimdienste, Einzelkämpfer fürs Geld (Xiao, der Darsteller, der schon im „Ein Hauch von Zen“ die geheimnisvolle Hauptrolle gespielt hat), ein Ex-General und Verfemter, der sich als Kneipier zurückgezogen hat in das wüstenhafte Land.
Inspieriert ist der Film sicher vom Genre des Western inklusive Western-Suspense („Ich will seine Schale Nudeln“). Das Innere der Herberge, der Gastraum, ist einem Western-Saloon nachempfunden. Auch die Humorlage ist ähnlich.
Die Darstellung, da es nichts tiefergehend Philosophisches zu verhandeln gibt, neigt zur Klamotte, Hauptsache lustig. Merkwürdige Verbündete paaren sich. Im Count-Down-Duell mit dem usurpierenden Eunuchen, ist auch er, der Negativ-Protagonist, wie schon im „Ein Hauch von Zen“, ein fast überiridisch guter Kämpfer. Und ständig wird über die Entmannung und das Eunuchtentum gefrozzelt.
Dieser Film ist vielleicht eher in der Nähe einer Kneipenunterhaltung anzusiedeln; aber es gibt jede Menge immer wieder variierter Kämpfe und die Briefpost, die kommt hier mit dem Pfeil geflogen. Auch das Kriegslistmoment wird ausgereizt. Ein Film, den man unbedingt im Kino sehen sollte – denn dafür ist er gemacht. Womöglich im Doppelpack mit „Ein Hauch von Zen“, der ebenfalls heute seine Wiedergeburt im Kino erlebt.