Chavela

Gegen den Schmerz ansingen.

Die Kindheit in Costa-Rica der 1920er Jahre war nicht der Hit für Chavela Vargas. Von der Mutter nicht anerkannt als ‚boyish Girl‘, Scheidung der Eltern und dann bei Onkel und Tante aufgewachsen, rebellisch dazu.

Um sich durchzusetzen muss sie mehr Macho sein als die lateinmerikanischen Männer – und trinkfest. Sie träumt von Mexiko, dort sieht sie ihre Zukunft. Das mit Schmuck und femininen Frauenkleidern hat nie richtig funktioniert.

In den 30ern geht sie nach Mexiko, blüht auf, fängt an zu singen aus tiefen Seelengründen. Sie fasziniert das Publikum, sie und zwei oder drei Gitarrenspieler genügen. Sie hat Erfolg.

In den 50ern in Acapulco. Da tummelt sich die amerikanische Prominenz ungeniert und nicht gestört von Papparazzis. Chavela verführt die Frauen der Prominenten. Sie ist eine bekannte Sängerin.

Dann Absturz, Alkohol und zwanzig Jahren Elend. Bis ein Schamane sie heilt, sie eine Verbindung zu Spanien schafft und eine fabelhafte zweite Karriere draufsattelt mit ihren lateinamerikanischen Liedern und die großen und berühmten Hallen und Säle von Paris bis Mexiko füllt.

Den Schmerz kann sie nie vergessen. 2012 stirbt sie und wird unter großer Anteilname der Bevölkerung in Mexiko beerdigt.

Catherine Gund und Aresha Kyi bringen intutiv durch die Anteilnahme an diesem eindrücklichen Schicksal und dieser einmaligen, kristallklaren Stimme einen unwiderstehlichen Sog in ihre Dokumentation. Sie bringen viele Lieder von Chavela. Die Statements von anderen Sängerinnen, Autorinnen, Agentinnen, Ex-Freundinnen und Pedro Almodovar sind kurz und erträglich, da ab und an Chavelas Songs drüber weiterlaufen.

Wie immer bei solchen Dokus übt das Archivmaterial ein speziellen Reiz aus. Es reicht zurück bis ins Costa Rica der 20er Jahre, Mexiko, Acapulco, schwarz-weiß Filme wie auch Fotos.

Die spanischen Liedtexte werden in gut leserlicher Handschrift auf Englisch übersetzt.

Ein zwingender Film für Musik- und Latinofans und auch für die mit Genderthemen Befassten, obwohl sie es lange hasste, sich selbst eine Lesbe zu nennen. In ihrer obersten Karrierenstufe ist sie in einer Art Poncho aufgetreten, die Abende gingen an die Grenze von Meditation und Katharsis.

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