A Touch of Zen

Ein restaurierter Klassiker von King Hu nach der Geschiche von Songling Pu von 1971 aus Hongkong/Taiwan.

Eine bildstarke Ventilation zum Thema Gewalt und Gewaltlosigkeit im Sinne des Zen und von Konfuzius.

Der Film spielt im äußersten Zipfel eines gewaltigen Kaiserreiches, zeigt, wie die Querelen und Machtansprüche und das Durchsetzen der Macht bis in die äußersten Gemarkungen hineindringen und Unfrieden stiften.

Die Hauptfigur ist ein etwa 30-jähriger junger Mann, der einen kleinen Schreib- und Porträt-Laden betreibt („Schriftanfertigung, Bildtafel, Frühlingswunschzettel“) in einer Ortschaft fernab der Weltgeschichte mit einem Fort in Ruinen, ein beschaulicher Ort, an dem jeder jeden kennt.

Ku Shen Kai, so heißt er, lebt noch bei seiner Mutter. Sie drängt ihn, da er mit dem Schreibgeschäft nicht reich werde, eine Beamtenprüfung abzulegen. Das zeigt, wie wichtig staatliche Funktionen sind, wie angesehen und auch wie gut bezahlt. Er aber will nicht.

Der Hickhack der großen Politik fängt an, sich in dem kleinen Ort zu zeigen. Seit einem Monat schon hat sich hier ein neuer Arzt niedergelassen, ein blinder Heiler.

Der Film fängt mit einer Szene an, in der Ku seinen Laden aufmacht und gleich Besuch von einem Fremden erhält. Dem bietet er an, ihn zu porträtieren. Allein wie King Hu diese Begegnung inszeniert, wie er Blicke und Irritationen einfügt, hier ist etwas, was nicht stimmt, sagen die Reaktionen von Ku, der dann schnell wieder zu seiner Professionalität zurückfindet.

Aber etwas bleibt hängen. Wie der Fremde ihn verlässt, geht Ku vor die Tür, beobachtet ihn, verfolgt ihn. Dabei zeigt sich, mit welcher Dynamik King Hu solche menschlichen Beziehungen und Bewegungen inszeniert, wie er mit Energie und Tempowechseln, mit unvermitteltem Stehenbleiben und Richtungsänderung eine Choreographie der Bewegung zeichnet, die als solche allein faszinierend ist, die aber auch die Bedeutung dieses Auftrittes unterstreicht, dass da ein neues Element, ein unberechenbares, irritierendes anfängt mitzuspielen in dem verschlafenen Nest.

Denn es bleibt nicht bei diesem einen Fremden. Auch in der Nachbarschaft von Ku ist eine junge Frau eingezogen, Yang, die Totengeld verkaufe. Die ist unverheiratet, sie wäre im idealen Heiratsalter für Ku. Ku wäre nicht abgeneigt, seine Mutter bemüht sich. Aber Yang will nicht.

Bald ahnt der Zuschauer, dass hier Ausläufer des großen politischen Spiels in dieses Nest eingedrungen sind, auf einmal wimmelt es von Geheimagenten, von Abordnungen des Kaisers.

Ku wird über die Beziehung zu Yang hineingezogen in dieses Spiel, was er doch gar nicht will. Dabei diskutiert er mit seiner Mutter, was Konfuzius gesagt habe, dass man von der Gewalt lassen solle.

Bei meinem Onlinescreening (aber diesen Film sollte man unbedingt in Kino anschauen!) gab es eine Macke mit dem Downlowd, der Film ist immer mal wieder ein paar Sekunden stehen geblieben. Nachdem es mich anfangs geärgert hat, stellte ich plötzlich fest, wie unglaublich spannend jedes einzelne Bild gebaut und komponiert ist. Welch atemberaubender Bildaufbau! Wie die Figuren immer einen Bezug zu anderen Figuren haben, ein Ziel, das sie verfolgen, zu dem sie ausgerichtet sind, einen Gegner, dem sie entweichen.

King Hu unterscheidet dabei auch ganz präzise zwischen statischen Figuren, die das Dorfleben schildern, und solchen, die in die dynamischen, politisch-kriegerischen Verwicklungen einbezogen werden.

Das offenbart eine Kinosicht, eine Schönheit, wie sie wohl nur mit richtigem Film in den 70ern herstellbar war. Wie King Hu die Elemente Dorf, Ruine, romantische Ruinenlandschaft, Garten, verwilderter Garten und dann erst die Natur einsetzt!

Welche Leichtigkeit der Inszenierung von Kämpfen, es gibt ihrer zusehends mehr, vor allem mit Schwertern, aber auch mit spitzen Stiften und Seilen. Und welche Sprünge die Darsteller machen.

Zur Illustration der These von der Gewaltlosigkeit gibt es eine Gruppe von Mönchen, die in einem Koster leben und meditieren und die Kampfkunst üben. Sie sind unterwegs. Sie scheuen nicht vor physischen Auseinandersetzungen zurück. Sie sind stärker, schneller, erfolgreicher im Kämpfen.

Flankierend dazu spielt auch das Thema Aberglaube und Spuk eine Rolle, auch das wird eingangs schon zwischen der Mutter und dem Sohn abgehandelt, wogegen King Hu die rationale Meinungs setzt, dass es Geister und Übernatürliches nur gebe, wenn man daran glaube – und händisch zeigen die Mönche Schwertkämpfern, dass ihr Geist stärker sei. Aber es taucht auch ein Buch auf, betitelt: taoistischer Zauber.

Zudem gibt es ein höchst unterhaltsames Beispiel für psychologische Kriegsführung, die mit dem Aberglauben kalkuliert, aber auch damit, dass dem, der alles weiß, der Sieg sicher sei. Das ergibt weitere, aufregende Bilder, die King Hu großartig zusammenmontiert.

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