Alibi.com

Der Mensch ist nicht für Treue, Ehrlichkeit und Offenheit gemacht. Er braucht Geheimnisse, möchte aber trotzdem seine Beziehung nicht gefährden.

Davon geht Philippe Lacheau aus, der mit Julien Arruti und Pierre Dudan auch das Drehbuch geschrieben hat. Er erfindet zur Behebung dieses menschlichen Widerspruches das Start-up Alibi.com. Er selbst spielt den Chef Grégory Van Huffel.

Diese Agentur bietet Menschen ein hieb- und stichfestes Alibi, wenn sie vor ihrer Beziehung ein Geheimnis bewahren möchten, das muss nicht einzig der Seitensprung sein, das kann ein Lottogewinn oder der Besuch eines Fußballspieles statt einer Familienzusammenkunft sein. Für die jeweilige Alibibeschaffung hat Greg Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, auf die er sich verlassen kann.

Bis er selbst in die größte Bedrängnis gerät. Er verliebt sich aufgrund einer Pudelkollission in Flo (Elodie Fontan). Diese ist der Wirksamkeit des Komödienmechanismus zuliebe eine Juristin und auf absolute Wahrheit und Ehrlichkeit aus. Sie kann Lügen nicht ertragen.

Dass ihr Vater Jean-Claude (Didier Bourdon) gleichzeitig Kunde Gérard von Greg ist, um Alibis zu bekommen für seine Eskapaden mit der schwarzhaarigen, gutbusigen Cynthia (Nawell Madani), kann weder er, noch sein Vater wissen.

Perplex sind beide in dem Augenblick, wie Flo Greg bei ihrer Familie einführt. Daraus entwickeln sich bestens einsetzbare Komödiensituationen, ständig muss neu vertuscht werden, ein Pferd muss als Zebra angemalt werden und natürlich sammeln sich alle, die im Moment besser voreinander sich in Sicherheit bringen würden, in Cannes und drohen ständig, sich in verfänglichen und Lügen offenbarenden Situationen einander über den Weg zu laufen.

Lacheau inszeniert das in hoher Taktung, locker skizziert und runtergeschnetztelt, zack, zack, hemdsärmelig und grobkörnig zum schnellen Ablachen und die deutsche Synchron versucht nicht, das Original an Feinheiten zu übertreffen.

Der Film wimmelt vor Product-Placement und die Schauspieler scheinen auch in einem Schnellverfahren oder gar mit Würfeln zusammengestellt worden zu sein; da sie aber guten Komödienelan entwickeln, spielt das keine Rolle. Der Film will ja nicht die Wahrheit darstellen, er macht sich lustig darüber, was der Mensch alles unternimmt, um Wahrheiten zu vertuschen, wie weit zu gehen er dazu bereit ist.

Natalie Baye als Mutter von Flo bringt nach dem Aufdecken der ganzen Schwindeleien einen ehrlichen Ton an Verständnis für das allzu Menschliche in diesen Film.

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