The Party

So, jetzt zeigen wirs denen mal richtig, dieser Elite, dieser demokratischen und hochgebildeten Elite, wie kaputt und verlogen und unfähig die Demokratie zu führen sie sind, dürfte sich Sally Potter gesagt haben, die für Buch und Regie dieses auf 71 Minuten ausgewalzten Kurzfilmes steht.

Sally Potter konnte eine großartige Corona von Darstellern gewinnen, Patricia Clarkson, Bruno Ganz, Cherry Jones, Emily Mortimer, Cilian Murphy, Kristin Scott Thomas, Timothy Spall. Sie alle sind sich nicht zu schön, ihre fortgeschrittene Kaputtheit auf der Leinwand zu exponieren, sie von Sally Potter exploiten zu lassen und Texte, die dies Kaputtheit ihre Klasse demonstrieren mit einem Tick zu deutlich zu prononcieren, wie auf Pointe gesprochen, damit das Publikum in der Position des Kabarettpublikums, als des Wissenden, des Besserwissenden, des Rechtwissenden sich darin mit pünktlichem Lachen beweisen und vorgeblich befreien und auch in seiner deutlich ausgestellten Klugheit feiern kann.

Janet feiert das titelgebende Fest bei sich zuhause, irgendwo, kleiner Hinterhof, Britannien, Backstein, sie hat eben ihr Lebensziel, Ministerin zu werden, Gesundheitsministerin, errreicht. Das soll im engsten Freundeskreis aus der gleichen Gesellschaftsschicht gefeiert werden.

Ihr Mann Bill scheint schon hochgradig dattergreisig und dement. Er legt die Platten für den Sound auf und stiert vor sich hin. Es trudelt ein Freund Gottfried, ein Naturheiler. Er wird hier gebraucht, um die Schulmedizin textlich in die Pfanne zu hauen.

Die zwei Freundinnen Matha und Jinny geben bekannt, dass sie Eltern von Drillingen werden. Aber Kinder kriegen kann jeder, Minister (wenn auch nur Schattenministerin) wird man nur ganz selten, womit die Priorität der Festivität gesetzt ist.

Der Karrieresprung wird Anlass geben zu Bemerkungen über die Differenz der politischen Realität, wenn man an der Macht ist, und den revolutionären politischen Zielen, die die Leute als Studenten verfolgt haben. Alles ist eben kaputt. Auch der jüngste von allen, der Banker Tom. Er ist kaputt von Koks und Nervosität.

Es ist in diesem Film immer abzusehen, dass alles auf Pointe hinausläuft. Dadurch werden die Figuren gar nicht richtig ernst genommen, sie verraten sich sozusagen auf ihrem hohen, kaputten Niveau andauernd.

Als thrillerzeugend sollen die verborgenen und weniger verborgenen Dreiecks- und Seitensprunggeschichten fungieren. Der Film ist in Schwarz-Weiß gedreht und wirkt so, als ob ein Hochschüler eine Kameraübung machen müsse und dazu alibihalber eine oberflächliche, billige Story erfindet. Dumm nur, dass er, resp. sie, offenbar zu viel Geld zur Verfügung hat, um diese Stars zu engagieren. Die haben wohl gerade nichts zu tun gehabt und müssen in enormen Verzweiflungen stecken, dass sie den Rollen in dem schwachen Drehbuch, das aus einer losen Aneinanderreihung von Statements zu den Themen Medizin, Untreue und politische Emanzipation als Gesamtbild einer kaputten Bildungsschicht besteht, zugesagt haben.

Dekadenz. Verkommenheit. Kaputtheit. Vorsätzlich und prinzipiell. Liebe und Lügen. Akademelnde Pointen-Vorzeigedrescherei, Daraufhinweiskino. Brexit-Kino.

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