Max – Agent auf vier Pfoten

Kinder, Hunde und Idioten sind für Schauspieler die gefürchtetsten Konkurrenten, was beweist, wie attraktiv Kinder, Hunde und Idioten auf der Leinwand oder auf der Bühne sein müssen.

Es gibt im Kino sogar eigene Genres, den Kinderfilm und den Tierfilm, was oft verächtlich gemeint ist mit dem Vorwurf im Untertext, na ja, mit Kinder- oder Tierfilmen, das sei eine sichere Bank für den Erfolg, da könne man nichts falsch machen.

Aber amerikanische Filmstudios kalkulieren scharf, sie wollen auf Biegen und Brechen den kommerziellen Erfolg und schrecken deshalb vor erfolgversprechenden Kombinationen nicht zurück, das haben sie schon mit dem kalt angerichteten Mix verschiedener Grimmmärchen vorgemacht.

Warum also nicht. Warum also nicht Kinderfilm und Tierfilm vereinen? Den apriorischen Sympathiefaktor der Genres schon von der Struktur her potenzieren. Warum nicht den Kinderfilm mit dem Tierfilm zusammenschmeißen und als Spielort gleich das Weiße Haus nehmen und mit den Kindern und dem Hund eine ganz normale Kinderabenteuergeschichte inklusive Aufdeckung einer Verschwörung zusammenmixen?

Der amerikanische Präsident Bennett (Lochlyn Munro) und seine First Lady Maureen (Carrie Genzel) haben einen Buben im frühen Schulalter, im Bubenstreichalter, TJ (Zane Austin). Der Geheimdienst trainiert einen Wolfshund als speziellen Aufpasser für den Buben (klar, dass der sich anfreundet).

Drehbuchautor Steven Altiere schreibt jetzt einen Besuch des russischen Präsidenten Bragov (Andrew Kavadas) im Weißen Haus ins Drehbuch. Der Russe bringt sein Töchterchen Alex (Francesca Capaldi) mit.

Also kann Regisseur Brian Levant das Kinderprogramm inszenieren. Das besteht in Ausbrüchen aus den Kinderzimmern in die Küche und aus dem Weißen Haus hinaus bis zur Räuberpistole auf Camp David, das den größten Teil des Filmes einnimmt.

So hat das Filmstudio geballte Special Selling Points für sein Industrieprodukt. Zwei perfekte Kinderdarsteller, die erwachsener als die Erwachsenen agieren, süß, süß, so süß, das Erschreckende daran nimmt keiner wahr.

Auf Camp David gibt es zudem richtig Action in Form einer wilden Rafting-Tour im Gummiboot, auf welches ein Anschlag verübt wird. Mehr reinzupacken geht kaum im industriellen, amerikanischen, wie geleckt glasierten Family-Entertainment, egal wie erfunden, egal wie schmarrenhaft, es gibt dazu den klatschspaltenhaltigen Blick durchs Schlüsselloch in die Innereien des Weißen Hauses, in das schwere Schicksal des First Söhnchens, das ständig bewacht werden muss und doch so gerne normal wäre: die Leiden eines höchstsicherheitsbewachten Kindes. Mit dem wollen wir ja auf gar keinen Fall tauschen. Die ganz gewöhnlichen Pfiffigkeiten eines aufgeweckten Buben dazugemixt und die kleinen Fluchten in die Küche und aus dem Weißen Haus.

Dumm nur, dass bei der Planung des Filmes nicht absehbar war, dass bei seinem Kinostart ein gewisser Herr Trump amerikanischer Präsident sein wird und dass das hier gezeichnete Weiße Haus und die hier gezeichnete First Familiy im Gegensatz zur realen aktuellen Besetzung so wirken, als würden sie von Trump geradezu niedergetrampelt.

Doch Hollywood-Studios wissen sich abzusichern. Mit der kleinen Originalfotoreihe „Präsidenten, ihre Familien und ihre Hunde“, die weit zurückreicht in der Geschichte des Weißen Hauses, haben sie den Film auf historische Linie gebracht – weit außer Schussweite von querulantischer Tagesaktualität. Und so politisch wollen wir doch gar nicht sein, wir wollen nur mit glatt perfektionierter Unterhaltung Geld verdienen; die muss immun sein gegen die Tagespolitik.

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