Dunkirk

Fotoshooting mit hübschen Jungs vor Kriegskulisse.

Wo die nur all die gut aussehenden Jungschauspieler herhaben? Sie könnten allesamt einem Modelkatalog entstammen.

Hübsche Jungs in unangenehmer Lebenssituation. Sie spielen britsche Soldaten, die 1940 von den Nazis in Dünkirchen eingekesselt werden, chancenlos. Die Schlacht von Dünkirchen als Fotostrecken-Storyvorwand. Die Fotostrecke ist grandios.

An der Mole sammeln sie sich und die Briten versuchen, sie von da mit Schiffen, zivilen wie militärischen, und mit Luftunterstützung rauszuholen.

Was hat Christopher Nolan (Inception, Man of Steel) nur gereizt an dem Stoff? Denn der Film passt für mich weder in die Kategorie Kriegsfilm (der generell im Sinne eines Propagandafilms virulent wird) noch in die Kategorie des Antikriegsfilmes.

Mir scheint, ihn hat vor allem gereizt, allen voran diese Jungs, unterstützt von für ihr Alter nicht weniger gut aussehenden Stars wie Tom Hardy oder Kenneth Branagh, in Situationen zu filmen, zu denen sie einen attraktiven Gegensatz behaupten, wodurch das Fotoshooting den Titel „Jungs in unangenehmen oder unpassenden Situationen“ erhalten könnte. Insofern selbstverständlich kriegskritisch, oder mindestens insofern kriegskritisch, als er behauptet, so hübsche Jungs sollte man nicht in den Krieg schicken.

Oder: Christopher Nolan hat bei der Besetzung voll auf Antimilitarismus gesetzt, nicht im Sinne von Milchbubis oder Wehleidigen oder Mimosen, sondern im Sinne von Models, wie bei Abercrombie und Fitch sie zeitweilig für die Promotion eingesetzt hat; wobei Nolan zur Unterstreichung dieses Jungs-Ästhetizismus gar einen kontrapunktisch mit Knollennase besetzt hat. Der muss dann allerdings sterben. Und lässt die anderen umso besser aussehen.

Nolan ist ein großartiger filmischer Fotograf, hinter der Kamera: Hoyte van Hoytema. Er nutzt alle Möglichkeiten, die so eine Lage bietet bis in den letzten Winkel der breiten Leinwand aus. Der Pilot, der sich aus dem Cockpit des ins Meer abgestürzten Flugzeuges befreien will, um nicht zu ertrinken. Die Gruppe von Jungs, die sich in einem gestrandeten Wrack in Sicherheit bringt, hier kommen diese Gesichter und die Frisuren vom Feinsten besonders porträthaft zur Geltung.

Zwei Jungs sind zu sehen, die einen Verwundeten auf einer Bahre im Dauerlauf über den ewig langen Sandstrand von Dünkirchen tragen in Richtung rettendes Schiff und wie sie sich durch die wartenden Massen zwängen, wie sie sich nachher im Holzunterbau der Mole verstecken. Der Colonel auf der Mole, der die Ruhe bewahrt. Soldaten, die ins Meer waten. Soldaten, die aus einem sinkenden Schiff in einem Ölteppich gelandet sind, aus ölverschmierten Gesichtern funkeln die Augen besonders.

Die zivilen Jungs mit hübschen Pullover oder Pullunder auf der Privatjolle Moonstone, wie eben einem Fotoshooting entsprungen, die auch zur Rettung beitragen wollen.

Die Fotografie kann sich an ihren Sujets nicht satt sehen und der Maskenbildner dürfte bis zuletzt am wohlgefälligen Fall schwarzer Haarlocken und -strähnen in Richtung verwegener Augen getüftelt und gekämmt haben.

Das Bedrohungsgefühl in diesem überwältigenden Kriegsgemälde, das auch niemanden als Helden hervorhebt, vermitteln vor allem Naziflieger wie eklige Insekten, die Bomben werfen und britische Flieger, die diese jagen, auch das ein Spiel, das gerade über dem offenen Meer fotoergiebig ist, aber auch die Fontänen, die die Bomben im Meer bewirken, genauso fotoeinträglich sind Schaumteppiche am Meeresrand, durch die die Soldaten waten.

Gewiss, ein Kriegsgemälde der besonderen Art, das noch wasserdicht untermalt wird mit der Musik von Hans Zimmer, der alle Register zieht. Höchst positiv zu bewerten ist auch, dass der Film nicht in 3D gezeigt wird. Durch dieses Hauptaugenmerk auf der Ästhetik der jungen Soldaten in allen drei Partitionen von Mole, Luft und Meer, artet der Film auch nicht, wie so viele Hollywood-Blockbuster, in endlose Schießereien aus, bleibt übersichtlich, was exzellent für die Erinnerung ist und dem Film ein längere Haltbarkeit bescheren dürfte.

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