Schnell ermittelt – Ivonne Werner (BR, Donnerstag, 27 Juli 2017, 20.15 Uhr)

Noch in der Routine entwickelt dieser Wien-Krimi einen morbiden Charme.

Um eine Wasserleiche aus dem Donaukanal herum schreibt Verena Kurth eine ordentliche, nicht verhirnte Geschichte, die Andreas Kopriva mit Leichtigkeit inszeniert.

Über die Aufklärung gibt es Einblicke in die Leben verschiedener Menschen, ihrer Beziehungen, ihres vorgeblichen Glücks in der Ehe, ihrer Unruhe bei der Partnersuche.

Angelika Schnell (Ursula Strauss), die titelgebende Chefermittlerin, hat die Fährnisse eines Kommissarlebens kennengelernt, sie hat einen Bauchschuss zu verarbeiten und zu heilen, sie geht leicht traumatisiert durch die Aufklärung des Falles, der als eine wichtige Informationsfundgrube einen Dating-Club einsetzt; nicht ohne Wonne stürzen sich die Ermittlerinnen in das Dating-Leben – und werden dort zu Stimmungskillerinnen.

Auch die Umgebung des Opfers muss näher untersucht werden; keine Happy-Verhältnisse, in denen die ermordete Fluglotsin lebte, die ein Kind hinterlässt und einen Ex-Mann, der sie stalkt. Aber auch Dr. Stefan Schnell (Andreas Lust) hat einen Trauerfall zu verarbeiten; hier schwebt die Beziehungsfrage zur Schnell in der Luft, denn er kann erstmal bei ihr unterkommen. So sind alle menschlichen Verhältnisse nah am Wasser gebaut und können leicht auch dort enden.

Sommerkost, bei der als Garnitur Weisheitssätze abfallen wie, Ein paar Jahre noch, dann ist das große Glück auch vorbei. Oder: Dann auf einmal wird das alles Alltag, merkst du, dass du nicht nur den Menschen an deiner Seite verloren hast, sondern vor allem dich selber.

Die Kommissarin kämpft psychisch mit den Folgen des Bauchschusses, hat momentweise Absenzen, lächelt sich drüber hinweg, versprüht wie frisch getankt gnadenlos ihren Charme als sei sie nicht von dieser Welt, was ihren Skeptizismus den Aussagen von Befragten gegenüber nicht mindert.

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