Paris kann warten

So geht Eroberung auf Französisch (Erotoschmonzette).

Kulinarisch-lukullisches Verführerkino als Liebeserklärung an die Liebe, ans Kino und an Frankreich. Die Kunst der Verführung. Die braucht ein bisschen Zeit, die muss sich die Zeit nehmen, sie kommt unangekündigt. Aber sie weiß vom ersten Moment an, was ihr Ziel ist, sowohl der Verführer Jacques (Arnaud Viard) als auch die zu verführende Anne (Diane Lane) und vermutlich sogar ihr sie vernachlässigende Ehemann und Filmproduzent Michael (Alec Baldwin).

Eleanor Coppola erfüllt sich und sicher vielen anderen längjährigen Ehefrauen mit diesem RomComVerführerFilm den Traum des Verführtwerdens aus abgestandener Ehe.

Anne und Michael sind beim Festival in Cannes zugange. Michael ist pausenlos am Telefon, ironisiert seine Rückenschmerzen, sie würden vom vielen Verbeugen kommen, mosert einen Produzenten an, für das Projekt in Marokko soll er bittschön Ziegen und nicht Kamele nehmen, die seien billiger und sie würden obendrein im Drehbuch stehen.

Michael muss dringend nach Budapest jetten. Anne soll selbstverständlich mit. Sie ist sein dekoratives Anhängsel, eine gepflegte, attraktive Frau in mittleren Jahren, die ihre erotische Vertrocknetheit professionell überspielt mit allen Mitteln, die besser gestellten Damen zur Verfügung stehen.

Geschäftsfreund Jacques, der nicht verheiratet ist, bringt das Paar zum Flughafen. Anne hat ein Ohrensausen. Kurz vorm Einsteigen in den Privat-Jet entscheidet sie sich, direkt nach Paris zu fahren, der Pilot hat ihr abgeraten, das Fliegen sei nicht gut für die Ohren.

Jacques, der daneben steht und das mitbekommt, bietet ihr spontan an, sie nach Paris zu fahren. Mit seinem alten, lottrigen Peugot, nicht ganz standesgemäß, umso mehr ein Zeichen für ein sich abzeichnendes Road-Movie der Verführung, einer kulinarisch-kulturell-erotischen Tour durch Frankreich.

Denn Paris muss jetzt warten. Jacques findet immer einen Grund, vom Weg abzuweichen, weil es da so schöne Rosen gibt, dort so feine Erdbeeren, hier einen ausgezeichneten Bäcker und nicht weit einen der besten Köche Frankreichs.

Anne macht das Verführerspiel mit. Sie tut so, als realisiere sie es gar nicht, obwohl sie es ironisch durchschaut. Sie leistet nicht allzu viel Widerstand. Sie findet Gefallen an den feinen Gerichten, die aufgefahren werden, an dem Berg, den Cezanne (Montagne Sainte-Victoire) gezeichnet hat, am römischen Äquadukt, am Textilmuseum in Lyon, an der römischen Kirche von Vezelay und an der Musik von Erik Satie. Und vor allem: an der in der Luft liegenden Erotik, am professionellen Zögern des bedenkenlosesn Verführers Jacques.

Er begegnet früheren Objekten seiner Begierede und seiner Verführungskunst. Die sind ihm gar nicht übel gesinnt, wie die russischstämmige Martine in Nyon beweist.

Ehemann Michael kapiert offenbar die Lektion. Die Verführung gewinnt an Fahrt bei Fragen zum glücklichsten Moment des Lebens als auch zum traurigsten; Fragen können zwei Menschen, erst recht, wenn sie andächtig in einer Kirche bei Kerzenlicht gestellt werden, emotional näher bringen, noch ohne jede Berührung.

Und Fotografieren kann auch viel erzählen. Alles Zutaten zu einem kulinarischen Kino vom Feinsten, Trüffelsaison für Kino- und Verführungsliebhaber im Garten des Epikur mit wildem Fenchel und Dorade Royale und wenn der alte Peugeut stehen bleibt, so hilft ein Damenstrumpf als Keilriemenersatz.

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