Der Duellist

Fremd und an die Seele.

Wie aus Formalin gezogen wirken deutsche Übersetzung und die deutschen Stimmen dazu.

Sätze:
Hinfort, räudiger Hund.
Ich frage Sie, welche Hure Sie ausgeschieden hat.
Mir schlägt niemand etwas aus.
Sie sind ein Mörder, ich werde nicht Ihren Wachhund spielen.
Schießen ist nicht schwer, aber das Töten ist eine Wissenschaft.
Sehr gut, Sie verkaufen Blut, ich kaufe es.
Kugeln werden ihn nicht aufhalten.
Dann schneiden Sie ihn in Stücke und zünden ihn an.
Du hast bei den Aleuten gelebt, die Aleuten kennen keine Gnade, bringe es mir bei.
Du bist ein Sklave und ich liebe dich nicht.

Ein russischer Held.
Er ist ein erstklassiger Schütze (Beispiel, die Übung mit der Abprallwand, bei der die Kugel auf den Schützen zurückfliegt). Er ist ein Held mit Finsterblick. Er ist ein Mörder, ein Manipulator. Er überlebt den Spießrutenlauf und die Aleuten, die operative Entfernung einer Kugel, die die Arterie direkt beim Herz verschweißt, er ist ein Sklave und nicht satisfaktionsfähig, aber er gewinnt jedes Duell, denn er ist ein Duellist und bestreitet Duelle für andere, für reiche Schwächlinge, Feiglinge und schlechte Schützen und gegen Geld. Er hat einen Agenten, der ihm die Jobs verschafft.

Er, das ist Jakovlev (Pyotr Fyodorov), ein männlicher Typ, muskulös, mit dieser Hingabe von Männern, die ihr männliches Selbstbewusstsein wie eine Monstranz vor sich hertragen, die beim Rasieren mit jedem Ansetzen des Rasiermessers an Blut denken, die prima Werbung machen könnten für maskuline Aftershaves und Duschgel. Er zeigt eine Hingabe an die Präsentation von Männlichkeit wie die russische Seele hier an die Kinematographie: ganz.

Er bewegt sich in Kutschen, in St. Petersburg, das wie ein düsteres Venedig wirkt mit seinen Kanälen. Er bewegt sich im Regen vor hellem Himmel, in Waffengeschäften, in herrschaftlichen Sälen, in fürstlich-steif-zeremoniellem Milieu oder gar in einer lichtdurchfluteten glaswandigen Pathologie, einer Rarität ihrer Art.

Er ist stark wie identitätslos und schwer fassbar. Er ist Jakovlev und ist nicht Jakovlev. Und er liebt Martha Tuchkova (Yullya Kolokolnikov) in einer Kutsche in darstellerisch einmalig arrangierter Art. Er lässt sich nicht erpressen, erpresst aber selbst schamlos. Er verteidigt ehrlos den Ehrbegriff.

Der Film spielt 1860 in St. Petersburg und wirkt als statisch verdichtete, russische Filmkunst von Aleksey Mizgirev, exakt im Lot und unter Auslassung jeglicher Zufälligkeit und musikalisch groß gemacht von großem Orchester und trotzdem ohne Angst vorm Gebrauch der Steadycam, ohne diese jedoch rauszustellen. Und mit einem eigens orchestrierten Abspann als musikalischem Epilog.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.