Girls‘ Night Out

Ins Gehirn geschissen.

Der Reiz des Jungsellenabschiedes, des Jungesellinnenabschiedes, des sogenannten Hangovers besteht bekanntlich darin, dass einige Altersgenossen, die gemeinsam ihre Jugend- und Heranwachsenserlebnisse hatten, gezielt und mutwillig einen kollektiven Kontrollverlust mitttels Drogen und Alkohol herbeiführen wollen zum Ertränken des vorgeblichen Freiheitsverlustes mittels Heirat.

Im Kino ist es so, dass zu dem Kontrollverlust eines üblichen Besäufnisses, sexueller Enthemmung und dergleichen ein Ereignis eintritt, was ein besonnenes Reagieren erfordert und die Frage dabei diejenige ist, wie gehen die doch an sich zivilisierten und gebildeten Menschen (die Bandbreite erstreckt sich von der Lehrerin bis hin zu Politikerin) jenseits dieser anerzogenen Kontrolle damit um.

Das könnte spannend sein bei genauer Betrachtung, wie reagiert der Mensch, wenn über die intendierte, mutwillige Herbeiführung von Kontrollverlust Dinge passieren, die rigide Kontrolle und Beherrschung verlangen. Wie reagieren die Frauen, wenn sie, wie hier im Film von Philipp Gagnos nach dem Drehbuch von Lisa Steele, es plötzlich, mit einer nicht intendierten Leiche zu tun bekommen? Wenn ein Autor das ernst nehmen würde, könnten spannende Lösungen am Horizont auftauchen: zum Beispiel unerwartetes Wiedereinsetzen der Kontrollmechanismen und ganz coole, rationale Erledigung des Problemes – ich vermute, das sine qua non abgrundtiefer Komik.

Aber die Autorin Lisa Steele nimmt ihre eigene Vorgabe und die Figuren nicht ernst, verzichtet auf Auslotung der Abgründe menschlichen Handelns, die sich in solchen Situationen offenbaren könnten, lässt die Frauen reagieren, als ob ihnen ins Gehirn geschissen wurde, lässt sie kindertheaterhaft und hysterisch an die Beseitigung der Leiche machen, nicht nur unglaubwürdig, auch noch witzlos dazu.

Denn der Vorfall ist gravierend. Die Frauen hatten sich 10 Jahre nach der High-School für ihr Eskapaden-Weekend in Miami ein Haus am Strand gemietet, einen Stripper bestellt und durch einen blöden Zufall kommt der zu Tode. Da stehen plötzlich Lebensentwürfe auf dem Spiel. Für die eine geht es um die politische Karriere, (sie will für den Senat kandidieren) und auch jede andere hält sich in ihrem Bereich für unersetzlich. Wie gehen diese Figuren mit dem plötzlichen Ernstfall um? Antwort siehe vorhergehender Abschnitt, so blöd wie in den 5 Frauen – was einer Denunziation der Frauen gleichkommt.

Die Namen der Darstellerinnen wollen wir aus Höflichkeit verschweigen, vielleicht haben sie einen schlechten Tag gehabt oder einen Schwips oder eine Kokslinie intus beim Lesen und Zusagen dieses fahrlässig oberflächlichen Drehbuches, das selbst in Pampers gewickelt noch säuerlich tropfen würde.

Für den Mann der Politikerin hat sich die Autorin den Gag ausgedacht, dass er von der Weinprobe weg, die er mit Kumpels derweil zuhause macht, sofort nach Miami fahren soll, dazu schickt die Autorin die Männer in einen Drogeriemarkt, hier sollen sie Erwachsenen-Windeln kaufen, damit er ohne Pinkelpause bis Miami durchfahren kann – oder weil das so unendlich lustig ist, einen Mann in Pampers in den Straßenverkehr zu schicken und sich Szene um Szene daran zu ergötzen – bis zum Ersterben der Lustigkeit.

Die Weiterentwicklung des Storyfadens ist so originell wie Taubendreck, der vom Himmel fällt. Kein Aspirin hilft gegen dieses Produkt, was in einem holprigen Pseudoboulevardrealismus inszeniert ist, und bei der die knorzige Drehbucherfinderei aus jedem Satz ächzt, Pointen mit Hü und Hott. Brrrr.

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