Ein Oskar für Bayern – Die Rebellionen des Oskar Maria Graf (BR, Mittwoch, 28. Juni 2017, 22.45 Uhr)

Verschnetzelter Graf.
Aber nicht vereinnehmbar.

Ein schnell-schnell im TV-Asthma-Rhythums zusammengeschusterter Mix aus sich die Zähne ausbeißenden Promi-Statements, sinnfreien Drohnenspielereien über bayerischer Landschaft, photoalbenhaften Bildausschnittmontagen, Blasmusik um Graf-Denkmal, blutleeren Voice-Over-Sprecher-Kommentaren und Archivmaterialien zu Ehren des bayerischen Dichters Oskar Maria Graf. (Redaktion: Armin Kratzert, Buch und Regie: Andreas Ammer).

Der Unangepasste hätte eine angemessenere Würdigung verdient, umso mehr als der BR das Teil erst um 22.45 Uhr sendet; allein dieser Umstand hätte die Redaktion für eine radikalere Form der Beschäftigung und Auseinandersetzung nützen können. Auf das Statement-Gequassele verzichten, eine längere Montagesequenz aus Archivaufnahmen, die für sich selbst sprechen, oder richtig sich eine Lesung trauen, wie sie in Archivausschnitten von Gustl Bayerhammer zu sehen und hören ist.

Denn was exakt die Qualität der Grafschen Literatur ausmacht, verdiente eine intelligentere Herangehensweise als billiger Magazin-Mischmasch, dieser wirkt wie eine posthume Vereinnahmung und Entschärfung des Schriftstellers und seines Werkes. Immerhin zeigt, wie die Promis sich an ihm abzappeln, ganz deutlich, welch anderen Kalibers und Karates dieser Graf gewesen sein muss.

Spannend sind die Archivaufnahmen mit Oskar-Maria Graf aus New York und von seinen Besuchen in Bayern in den 50er Jahren.

Eine Zeitgeistdoku, ein einer Leichtverdaulich-Ideologie folgender Mischmasch aus Bild und Text aus Glauben an das höherwertige Geschwätz von Promis, das den Nicht-Vereinnehmbaren vereinnahmen soll, den Unangepassten einem imaginären Fernsehkonsumenten, dessen Extistenz nicht bewiesen ist, anpassen soll. Womit der mündige Zwangsgebührenzahler nicht ernst genommen, sondern verarscht wird.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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