Ganz Große Oper

Magie – gespiegelt und nicht.

Magie des Events. Im Rahmen des DOK.festes München hatte dieser Film von Toni Schmid Premiere in der bayerischen Staatsoper vor einem festlichen Publikum, hauptsächlich Stammpublikum dieses berühmten Opernhauses. Der Film wurde dankbar aufgenommen. Das Publikum schaute hingebungsvoll und diszipliniert auf das, was es auf der staatsbühnengroßen Leinwand vor sich zu sehen bekam. Es schaute in einen Spiegel und in das Nähkästchen dahinter.

Maßgeschneidertes Kino für einen Vorführraum und ein Publikum.

Es spielte sich in dieser Matinee ein Spiegelung der Magie ab. Jene, die im Film erwähnt und beschrieben wird, die Magie von Musik und Oper und jene Magie, die der Film, der eine Reflektion von Haus und Publikum ist, auf das Publikum ausübte, das da und dort sich einen kleinen Kommentar ins Ohr flüsterte beim Einblick in Herstellung und Vorbereitung der Magie der Oper.

Es ist ein Nähkästchenfilm, der aus den Innereien des großen Hauses nach der Maßgabe der Begeisterung von Toni Schmid, einem hohen Kulturfunktionär, geleitet ist, der auch immer wieder den Zuschauerraum, der jetzt der Projektionsraum, der Kinoraum ist, zeigt. Der Film ist ein Fanartikel.

Der Intendant plaudert, Dirigenten, Musiker, Sänger und Tänzer erzählen, aber auch Garderoberinnen oder der Ex-Countertenor, der der Vorderhauschef ist, der Leiter von der Holzwerkstätten genauso wie jener der Kulissenmaleri oder der Schuhmacherei. Dieser hat einen Apparat zum Weichspannen der Schuhe entwickelt, damit die Sänger ja kein Schuh drückt oder die Tänzer auch bei Sprüngen oder beim Landen elegant bleiben. Sie alles sind vereinnahmende Menschen, die die Oper lieben und ihr dienen und deren Enthusiasmus zu spüren ist.

Es gibt Probenausschnitte zu sehen, wie der Chor probt, das Orchester, die Sänger, die Tänzer. Schmid liebt die Überschneidungen zwischen Proben und Aufführungen.

Der Intendant ist kein deutscher Protestant, der sein Publikum belehren will, er möchte es ergötzen und erfreuen. Das scheint ihm bestens zu gelingen. Es ist kein Film, der die Institution, die mit ihren über 600 Festangestellten und über 400 Freien Mitarbeitern eine verschwenderische ist, in Frage stellt, es ist kein Film, der den Apparat mit Röntgenblick durchleuchtet wie ein Frederick Wiseman das Ballett der Pariser Oper 2009.

Es ist ein Film, der für die Staatsoper, für deren Freunde und Gönner, für München und Bayern wichtig ist; kinogeschichtlich dürfte er schnell in den Nebelschwaden der Bedeutungslosigkeit landen.

Schmid will ein Loblied auf diese Staatsoper singen und versteckt das auch gar nicht. Das ist im Sinne ihrer Fans und Finanzierer. Ein Liebhaberprojekt, was die Frage beantworten muss, warum über die Beteiligung des BR auf Rundfunkzwangsgebührengelder zurückgegriffen wird, die jedem Haushalt, ob einkommensstark oder einkommensschwach den gleichen Betrag abverlangen, so dass es inzwischen Menschen gibt, die sich deshalb zum Beispiel keinen Zahnersatz mehr leisten können, geschweige denn den Besuch der Staatsoper oder auch nur des Filmes darüber – ob diese Art der Geldbeschaffung für so ein exklusives Vergnügen einer Upper-Class noch zu rechtfertigen ist? Doch eher nicht; erinnert an Zeiten, in denen die Fürsten im Prunk gelebt haben unter Aussaugung des Volkes. Mit einer demokratischen Gesellschaft hat solches nicht mehr zu tun.

Ferner muss die Überlegung erlaubt sein, ob Geld, was dezidiert für die Subvention des Kinos vorgesehen ist, statt es einem kinematographischen Laien zuzuschustern nicht besser für hoffnungsvollen Profinachwuchs zu verwenden wäre. Das hat einen etwas merkwürdigen Geruch, wie der Mund- und Kampfergeruch, der einem in kleinen Schwaden in der Staatsoper in die Nase geweht wurde oder die Gerüche auf den WCs, die olfaktiorisch einen Hinweis auf die im Film erwähnte lange Geschichte dieses würdigen Opernhauses glaubwürdig abgeben.

Wäre doch viel charmanter und persönlicher, wenn der Herr Schmid sich ganz allein eine Kamera geschnappt hätte, kostet nicht viel, und Mäuschen gespielt, Zugang ist ihm bestimmt überall gewährt, und seinen wirklich ganz privaten Begeisterungsfilm darüber gemacht hätte. So wie ein Samuel Pepys uns Heutigen einen lebendigen Einblick in die Shakespeare-Zeit ermöglicht.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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