Dieser Film von Jonathan Teplitzky nach dem Drehbuh von Alex von Tunzelmann weiht uns ein in ein intimes Geheimnis direkt hinter den Kulissen eines der historisch vielleicht wichtigsten Militärentscheides des letzten Jahrhunderts, des Beschlusses der Alliierten zur Eroberung der Normandie am D-Day, der das Ende des Naziterrorregimes einläutete.
Teplitzky geht es pathetisch an. Er stellt Churchill (Brian Cox) ans Meer, darin sieht er Blut. Es geht um ein Trauma von Churchill, um die Schlacht von Gallipoli im ersten Weltkrieg, die er befehligt hatte und bei der 100’000 junge Männer starben. Das hängt Churchill schwer nach.
Es geht hier wohl nicht so sehr um ein Reenactment des historischen Churchills, es geht dem Autor um das persönliche Problem von Churchill bei der Entscheidung für die Invasion, um das Portrait eines Menschen mit Trauma und anderen Schwierigkeiten.
Churchill ist strikt gegen die Pläne von General Eisenhower (John Slattery) und General Montgomery (Julian Wadham), mit einer Übermacht die Normandie anzugreifen. Er sieht ein Blutbad voraus. Er ist gequält von seinen Erinnerungen. Die Generäle halten ihm entgegen, die Zeiten hätten sich geändert; Krieg würde nicht mehr wie im Ersten Weltkrieg geführt.
Teplitzky zeichnet Churchill als einen Mann, den dieser Entscheid umtreibt, als einen Mann, der seine Frau vernachlässigt und seine Sekretärin lauthals anschreit wegen eines falschen Zeilenabstandes, als einen Mann, der Aussetzer hat und im Bett liegen bleibt, den Zustände nahe einer Depression quälen, der zum Alkohol greift.
Es gibt Gespräche mit den Generälen, mit dem britischen König George VI (James Purefoy) (The Kings Speech, hier schließt sich ein filmischer Hinter-den-Kulissen-Kreis und etwas ferner, aber auch ganz nah Royal Night) und heftige Auseinandersetzungen mit seiner Gattin Clem (Miranda Richardson), wie er sie nennt.
Der Gegensatz zwischen privatem Trauma/Depression und öffentlichem Job kommt drastisch zum Ausdruck, da Inszenierung und Räumlichkeiten sich dem staatstragend steifen Duktus anpassen, große Räume, kleine Menschen und doch Machtmenschen und auch die Dialoginszenierung ohne Resonanzboden vermeidet die Privatheit so weit wie möglich, tendiert zum Bühnenformat. Abgewürgte Privatheit, die sich ihren Weg bahnt.
Der Film ist vielleicht nicht unbedingt einsetzbar als Ersatz für eine Schullektion, dafür sind die geschichtlichen Informationen und Zusammenhänge denn doch zu dünn geschildert. Aber er macht nachdenken, wie es überhaupt soweit kommen kann, dass Politiker solche Entschlüsse fassen müssen.
Zur Illustration der Tragweite wird der neuen Sekretärin Helen (Ella Purnell) noch ein Verlobter zugeschrieben, der sich just auf einem Zerstörer an vorderster Front der D-Day-Armada befindet; das erlaubt ein kleines privatistisches Zwischenspiel, dass Churchill herausfinden lässt, wo der ist und sogar Grüße schmuggeln lässt. Keine Bange, mit Arthur Clayton ist es gut ausgegangen.
Mit dem Schauspieler Brian Cox ist der anrührende Effekt der Inszenierung wunderbar gegeben. Denn den großen Hintergrund, das Wissen über die Riesenkulisse, vor welcher diese private Geschichte stattfindet, die denkt der Zuschauer mit.
Einen Ausstattungshinweis über die Gewichtigkeit der Rede, auf die der Film hinführt, die Rede an die Nation nach Eroberung der Normandie, ist ein offensichtlich teurer, hochpolierter, schwarzer Lederschuh, den Churchill vorher anzieht. Steht in starkem Kontrast zu einem früheren Auftritt in ausgebeulter Unterwäsche.