Ein mäßiges Produkt der TV-System-Reihe Tatort. Fängt verheißungsvoll an mit Bildimprovisationen eines bohème-angehauchten Lebemannes (Martin Feifel als Stararchitekt und Frauenliebhaber Thomas Jacobi). Aber Feifel spielt schon kurz darauf nur noch den potentiellen Mörder, böse, finster, unattraktiv, sehlustmindernd.
Der Fokus des nicht überzeugenden Buches von Katrin Bühlig und der nicht sonderlichen Regie von Rainer Kaufmann liegt auf den Frauen, auf ihrer Attraktivität, auf ihrem Verführungspotential, das hier allerdings durchs Band notleidend ist. An Dorthe Braker hat dafür Frauen besetzt im Spannungsfeld von Schönheitsanspruch und Gestörtheit: eine polyamorine Dauerwelle, eine auf perfekte Schönheit gestylte Friseuse, eine grau wirkende, geblondete Ärztin, ein gestörtes Buschgespenst und eine erstmals federführende Architektin.
Durch diesen Fokus auf die Frauen bleibt das Stammpersonal der Männer von den Verspannungen der Regie verschont, spielt locker und zurückhaltend, der Pathologe verzichtet auf seine Clownereien, Leitmayr und Kalli bekommen sogar eine tragende Rolle (Sofa in den x.ten Stock hochtragen) und Batic insinuiert mit seiner Geliebten den eigenen Tatort-Spinoff.
Die Verwirrgeschichte handelt von toten Frauen und von den nach und nach an den Tag tretenden Liebschaften des Architekten, die empirisch kaum nachvollziehbar sind, denn er versucht den Täter zu spielen und verspielt dadurch sein Verführungspotential. Trotzdem wird seine erfolgreiche Verführungskunst behauptet und bewiesen mit einem schönen kleinen Requisit, einem wie in Glas gegossenen Hologramm seiner Büste.
Und wie 80 Minuten vorbei sind, muss es laut System zu Ende gehen, so wird denn kurz mit einem Beweisstück ein Täter aus dem Hut gezaubert, den man nicht erwartet haben sollte; aber Feifel hat so dick einen auf Ablenkungsmanöver gemacht, dass das nicht überrascht und wie vom Billig-Jakob wirkt.
Das Intro: Verheißungsvoller Lebenskünstler-Impro. Oh, eine interessante Figur in einem Tatort! Ein Typ, mit dem man zusammensein möchte, und dann spielt er ganz was anderes, versucht den Verdächtigen zu spielen. Ernüchterung folgt auf dem Fuße. Die Intro suggeriert eine Delikatesse, stattdessen wird System-Erzählerei nach Dienst serviert, wobei nicht ganz klar ist, weshalb man sich dafür interessieren sollte.
Die Männer dürfen Kindsköpfe bleiben, können lustige Spiele treiben, beim Einsteigen ins Auto veräppelt Leitmayr Batic. Oder Batic darf ficken.
Erotik im Tatort braucht viel sorgfältig drapiertes Tuch.
Symptomsatz für diesen Tatort: etwas fehlt noch an dem Modell, ich komm nur nicht drauf was.
Gesellschaftliche Relevanz: gleich Null; belanglose Liebesklischees werden anskizziert.
Sehrvergnügen: bescheiden.
Spannung: gleich Null.
Interesse und Empathie an den Gastfiguren: gleich Null.
Im Hinblick darauf, dass es sich um eine zwangsfinanzierte Produktion handelt:
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!