Rückkehr nach Montauk

Ein Mann braucht Abwechslung.

Ein Mann braucht Abenteuer. Die Frau möchte Sicherheit. Sie möchte wissen, wer er ist. Sie stirbt, wenn er stirbt.

Der Mann ist eine Sphinx, ein Autor. Er ist unterwegs, er ist zerstreut. Er ist hin und weg von einer Frau und vergisst alles um sich herum, er ist zerstreut, er will nie jemandem Weh tun, es passiert einfach, er ist eine Duftbiene, lässt sich vom Duft betören, er ist mit sich beschäftigt, fragt nicht, was sie macht, er hat Termine, Verabredungen, die andere Frau; er ist immer auf dem Sprung. Er ist wie vexiert.

Wie ein Vexierbild lösen sich die Namen der Titel in diesem Film von Volker Schlöndorff auf, der im Andenken an Max Frisch mit Colm Tolbin auch das Drehbuch geschrieben hat.

Es sind ihrer viele Namen, Unmengen von Produzenten, die mit an Bord geholt werden mussten, um das Projekt nach langer Vorbereitung auf die Beine zu stellen.

Schlöndorff ist ein Film gelungen, der den Geist von Max Frisch atmet und der das literarisch-bürgerliche Publikum erfreuen und beschäftigen dürfte. Denn in diesem Mileu spielt der Film.

Der Autor Max Zorn (Stellan Skarsgard) fliegt für eine Buchvorstellung nach New York. Dort lebt seine Beziehung Clara (Susanne Wolff). Aber auch Rebecca (Nina Hoss) lebt als Anwältin in New York. Mit ihr gab es vor Jahren eine heiße Liebesphase. Dann Trennung ohne weiteren Kontakt.

Mit Hilfe von Walter (Niels Arestrup), seinem früheren Guru und Kunstsammler und seiner Pressereferentin Lindsay (Isi Laborde-Edozien) spürt Zorn Rebecca auf. Sie wartete damals vergeblich auf ihn. Nur mit größtem Widerstand lässt sie sich auf ein Wiedersehen ein.

Schlöndorff schildert das Kultur- und Literatenmilieu wie aus dem Effeff, Hotel, Lesung, Autogramme, Bibliothek. Er nummeriert die Tage. Ankunft ist Tag eins, ein Mittwoch. Die ersten Tage sind gefüllt mit literarischen Verpflichtungen, Klamottenkauf und mit Clara. Und ganz heimlich mit dem Eruieren der Adresse von Rebecca.

Das Wochendende ist frei. Da ist Rebecca bereits so weit, ihn zu fragen, ob er mit ihr einen Samstagsausflug nach Montauk auf Long Island mache. Er schwindelt Clara etwas von einem langweiligen Panel vor und am Abend sei er zurück.

Rebecca will genau wissen, was jetzt ist mit ihnen. Vorwand ist die Besichtigung eines Hauses auf Long Island, Montauk, das sie eventuell kaufen wolle. Sie fährt das Auto in den Sand. Sie müssen im Motel übernachten.

Somit ist die Grundlage für die Kernszene des Filmes gelegt, die Auseinandersetzung der beiden, Max und Rebecca, das Hinterfragen der gemeinsamen Vergangenheit, der Gefühle, der jetzigen Gefühle, das Abtasten einer eventuellen Zukunft, denn sie hatte mal geträumt, dass er ihr Sicherheit geben und der Vater ihrer Kinder werden würde.

Hier auf Long Island legt Schlöndorffs Film den großen Erzählatem ein, den hochkarätigen Kern, künstlerisch schauspielerisch, substanziell, wie auch bildlich und inszenatorisch. Die Frage, was wichtig ist. Können sie Weltmeister werden im Glücklichsein?

Mit sichtbar platzierten Signeten geben Mercedes und Air Berlin zu verstehen, dass sie das Projekt unterstützt haben. Die einführenden, literarischen Szenen nutzt Schlöndorff für ein Abgrenzungsstatement, Europa gegen die USA, Europa habe Quasimodos, Narren und Don Quijotes, Europa sei kulturfundiert.

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