Toro

Bestechend an diesem Kölner Filmschulfilm von Martin Hawie, der mit Laura Harwarth auch das Drehbuch geschrieben hat, sind die Schwarzweiß-Fotografie (Kamera Brendan Uffelmann) und die sorgfältige Inszenierung mit einem gelungenen Cast und einem Hauch Poesie gedämpfter Hoffnung des italienischen Neorealismo.

Damit behaupten diese Filmemacher ein ungewönliches Stück deutscher Realität, deren Protagonisten der Pole Toro (Paul Wollin), der Spanier Victor (Miguel Dagger) und der Franzose Benoit (Kelvin Kilonzo) sind. Sie bewegen sich im Stricher-, Call-Boy-, Kokser- und Boxermilieu. Sie hausen in Innenräumen mit einer Einrichtung und kaum Blick nach draußen, die erzählen, dass ihr Leben hier nur ein provisorisches ist. Deutsche kommen lediglich als Schläger oder in Winzrollen vor. Fürs Ohr spannend ist, dass diese nicht nativen Deutschen kein beknacktes Ausländerdeutsch sprechen, sondern eines, das grammatikalisch perfekt ist, aber von der Musik her sich wunderbar unterscheidet von der eingeschliffenen Fernsehsprecherei der Routine-Schauspieler.

Mit der Geschichte tu ich mich schwer.
Toro, der Würger, arbeitet seit zehn Jahren als Call-Boy für Damen, trainiert das Boxen, sammelt das Geld in seinem Boxsack gut versteckt. Er ist befreundet mit Victor. Der ist Stricher und ein Junkie. Victor und Toro sind Kumpels. In einer leerstehenden Boxhalle, in der nur noch zwei Boxsäcke hängen, trifft Toro auf Benoit. Der will boxen lernen und hat ein Auto von seinem Bruder. Victor ist hochverschuldet und schnorrt Toro um Geld an. Toro hat ihn in das Geheimnis seines Geldversteckes eingeweiht. Die Geldeintreiber sind hinter Victor her. Nach 50 Minuten kommt eine Pistole, die Toro versteckt hat, ins Spiel. Ungefähr zu dem Zeitpunkt versagt seine sorgfältig vor der Kamera versteckte Manneskraft bei einem Job. Die Kundin behauptet, er sei schwul. Daraufhin erwürgt er die Kundin. In ihm hat sich etwas verändert. Inzwischen haben die Geldeintreiber Victor bedroht und einer hat das Geld von Toro gefunden. Das kann Tor, der die Pistole hat, nicht ungeschehen lassen. Nachher, auf dem Weg nach Polen, erwürgt Toro Victor. Am Schluss wartet der Film mit einer Pointe zur verlogenen Moral der katholischen Kirche auf. Toro ist ein gläubiger Katholik, er geht zur Kirche, überm Bett hat er ein Kruzifix mit dem ans Kreuz genagelten Christus hängen.

Die Geschichte lässt zu vieles über ihre Figuren im Unklaren, als dass ihre Handlungen Schlüssigkeit bekämen; so dass der Film nicht viel mehr bleibt, als eine schöne Fotostrecke – mit leerer Narration. Was aber ist das Entscheidende für einen guten Film? Das Buch, das Buch, das Buch! Oder eben: die Geschichte – und das ist das, worauf es ankommt, wenn man die geschützte Gemarkung der Filmschule verlässt und sich in die freie Kinowildnis mit dem Gerangel um Marktanteile hinauswagt.

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