The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit

Als vielschichtigen, schweren Emotionskuchen, der direkt auf Magen und Gemüt und Gerechtigkeitssinn zielt, reicht uns Nate Parker, Jean McGianni Celestin hat am Buch mitgearbeitet, diese Nacherzählung eines Geburtsmomentes der amerikanischen Nation dar. Sie stimmt nicht optimistisch.

Parker interessiert nicht protokollhaft die Beiziehung belastbarer Fakten. Er baut seinen Kinokuchen aus verschiedenen Lagen unterschiedlichster Gefühlsstimmungen. Er schildert erst breit episch über eine Stunde lang das Leben im Süden der Vereinigten Staaten im frühen 19. Jahrhundert.

Die menschliche Gesellschaft ist geteilt in weiße Herrenschicht und schwarze Sklavenschicht. Es gibt grimmig-böse, zynische Weiße und barmherzige Weiße, gute Herren und schlechte Herren und bei den Sklaven gibt es die dumpfen, die ihre Leben akzteptiert haben und es gibt den Strahlemann (und Filmhelden) Nat Turner (Nate Parker, auch Regie und Drehbuch), der auch seine Makelseite hat.

Es gibt schöne Seiten auch des Sklavenlebens. Nat ist gebildet und Prediger und beschlagen mit Bibelworten. Die Sklaven singen und tanzen. Mal sind sie fröhlich bei der Baumwollernte, mal niedergeschlagen. Sie haben menschliche Beziehungen untereinander. Mutter, Kinder, Liebe. Davon wird mehr berichtet als von den Verhältnissen unter den Weißen.

Von den Weißen wird von den Turners erzählt. Samuel (Arnie Hammer) ist ein guter Weißer. Die noch bessere Weiße ist seine Frau Elizabeth (Penelope Ann Miller). Seine Schwarzenfreundlichkeit und Menschlichkeit bringt Samuel in die Zwickmühle. Der rassistische Grundtenor der anderen Weißen nimmt ihm das übel. Er will bei diesen den Namen Turner wieder salonfähig machen.

So lässt er es zu, dass eine Sklavin bei einer festlichen Einladung einem seiner Gäste zur Verfügung gestellt wird. Das dürfte mit ein Erlebnis sein, was in Nat die Idee eines bewaffneten Aufstandes befördert. Andererseits auch, dass er Grausamkeiten der Herren gegen Sklaven regungslos zuschauen muss.

Turner selbst verliert die Loyalität seines Herren, wie er einen weißen Außenseiter, einen Penner wie wir sagen würden, tauft. Da wird er in den Block gesperrt. Das dürfte der endgültige Anlass für Planung und Durchführung des Aufstandes gewesen sein. Denn mit Bibelworten allein ist schwer zukämpfen: zu jeder Bibelstelle die für Freiheit und gegen Knechtschaft spricht, lässt sich eine konträre finden, das ist seine Erkenntnis.

Zwischen vielen Wohlfühlszenen eines ruhigen, geregelten Landlebens im angenehmen Süden der USA, die mit der entsprechenden Musik unterlegt sind, schichtet Parker immer wieder Grausamkeitsszenen, die ebenso in epischer Breite ablaufen: ausführlich werden einem unbotmäßigen Sklaven, der im Hungerstreik ist, von seinem Besitzer mit einem Hammer die Zähne ausgeschlagen und mit einem Trichter wird ihm Essen eingeflößt oder es werden auf einem Rücken die Details der Folgen einer Auspeitschung deutlich gezeigt. Das schürt Hass und Wut, das frisst sich in die Gemüter der Schwarzen. So sind sie bei ihrem Aufstand wenig zimperlich. Da wird ein Kopf abgehauen.

Kinematographischer Schichtkuchen aus Grausamkeit und Lieblichkeit, der einem schwer im Magen liegen kann. Eine Nation, deren Geburt so verläuft, dürfte es schwer haben, auf die Beine zu kommen. Der Frieden unter den Rassen ist bis heute nicht hergestellt.

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