40 Tage in der Wüste

Ein Literturnobelpreisträger als Vater, das wirft lange Schatten, aus denen ein Sohn kaum heraustreten kann. Das Übervaterproblem.

Rodrigo Garcia ist der Sohn von Literaturnobelpreisträger Gabriel Garcia Marquez. Er versucht sich dem Thema Vater-Sohn hochkünstlerisch und mit Rückgriff auf die in der Bibel nur wenig Platz einnehmende Wüstenphase von Jesus vorsichtig und verquirlt anzunähern.

Von einer intensiven, inhaltlichen Vater-Sohn-Beziehung kann keine Rede sein. Garcia tupft Situationen an, unentschieden, von denen eine in kopflose Action ausartet.

Sein Protagonist, das ist Ewan McGregor als Jesus und gleichzeitig dessen Innerer- Monolog-Partner Teufel, geht zu Fuß, angenehm modernisierte Tradition von der Ausstattung her, in die Wüste.

Ein Garcia hat wohl beste Beziehungen durch sein Vaterhaus. Er kann sich einen Topkameramann leisten, Emmanuel Lubezki (The Revenant) und einen Topschauspieler wie Ewan McGregor. So sind faszinierende Wüstenbilder garantiert zu allen Tag- und Nachtzeiten, mit Wind und ohne und mit oder ohne Wolken und eisern disziplinierte Schauspielerei dazu.

McGegor spricht seine beiden Figuren sachlich beflissen, dass jeder abtörnende Hauch von Pseudoheiligkeit wegfällt. Er tut so, als verhandle er ernste Themen. Wobei das just der Punkt ist, den qualitätsvoll wiederzugeben, mir schwerfällt, denn was ist überhaupt verhandelt worden?

Jesus trifft nach einiger Zeit auf eine kleine Familie, die in der Wüste in einem Zelt wohnt auf einem Bergrücken, der gegen eine weite Hügellandschaft hin schroff abfällt. Auf einer kleinen Anhöhe ist eine primitive Steinmetzwerkstatt aufgebaut. Baumstämme und Äste bilden das Gerüst für ein mögliches Dach.

Der Vater (Ciaran Hinds) ist durch und durch Wüstenmensch, er erzählt das dem Jesus, auch warum es ihm hier gefällt und er nie weg möchte und auch, dass er keinen Zugang zu seinem Sohn habe. Über dieser Wüste fliegen keine Flugzeuge.

Der Sohn (Tye Sheridan), der möchte weg aus der Einöde in die Stadt. Er traut sich nicht, das dem Vater zu sagen. Der Mutter geht es schlecht. Sie wird einmal versuchen, Jesus zu verführen – oder ist es nur eine Fantasie von ihm?

Es gibt kurze Phasen von Gesprächen. Und die große Action. Der Vater hat einen roten Stein, Jaspis, im Steilabhang entdeckt. Den möchte er raushauen und schauen, ob das Vorkommen abbaubar sei. Er möchte damit einen Handel beginnen. Aber wie in den Abhang kommen? Das wird ein Akt gewaltigen Leichtsinns und bedenklicher Unvorsichtigkeit und voll alpinen Dilettantismus‘. Der wird unangenehme Folgen haben. Der Unfall kann aber das Vaterproblem des Sohnes nur scheinbar lösen und das von Jesus schon gar nicht.

Die musikalische Untermalung ist hochkünstlerisch und diskret, ganz selten nur, dass der eine Streicher mit anderen Instrumenten ergänzt wird, was eine Anschwellmusik möglich macht. Der erste Satz, den Jesus spricht, er kauert da in düsterem Wüstensetting wie ein verlassener Sohn, Vater, wo bist du? und Vater, sprich mit mir.

Andererseits ist, diese Bilder zu schauen ohne Fluglärm, ohne Jeeps, ohne Radio, ohne Handy entspannend, eine kleine Wüstenreise, die einem kein Kopfzerbrechen macht; die Landschaft und die ruhigen, gekonnten Bilder können einen meditieren lassen. Es ist angenehm, einem Jesus ohne alle Wunderkräfte zu begegnen, der lediglich versucht, sein Vaterproblem (hat ja auch einen Übervater) ungelenk zu artikulieren.

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