Es war einmal in Deutschland

Witz oder Kinofilm?

Die Frage sollte einer schon entscheiden, bevor er zu drehen anfängt, ob er einen Witz oder einen Kinofilm machen will. Der Luxemburger Sam Garbarski, der mit Michael Bergmann auch das Drehbuch geschrieben hat, konnte sich wohl nicht entscheiden und das Können sollte man dann auch noch haben dazu. Ist hier nicht der Fall.

Die Story ist dürftig, reicht kaum für einen Kurzfim. Ein KZ-Überlebender baut 1946 mit anderen Überlebenden aus dem Transitlager in Frankfurt einen fliegenden Textilhandel auf. Gleichzeitig wird er von den Amis zu seiner KZ-Zeit befragt im Hinblick auf Kollaborationsverdacht, weil er als Witzeerzähler im KZ komfortabel überlebt hat.

Moritz Bleibtreu rettet die in dieser Regie- und Drehbuchkonstellation kaum zu bewältigende Rolle respektabel mit vornehm zurückhaltender Beamtenschauspielerei inmitten eines Niemandlandes charakterloser Chargen, die zu jiddeln versuchen. Bleibtreu präsentiert seinen Text sauber, versucht sich nicht in Dialekt- und Jiddischeinschüben, die er nicht beherrscht, und eine Witzeerzählerfigur ist sowieso eine todernste Angelegenheit, siehe Entertainment. Damit beweist Bleibtreu immerhin, dass tief drinnen in ihm der Schauspielerinstinkt noch am Leben ist.

Er steht einsam da inmitten eines Besetzungs-GAUs zu dickbäuchiger, zu wohlgenährter Klamottiers, die wirken als seien sie Peter Steiners dümmste Verwandte, die gar nichts ernst nehmen und glauben, sie könnten mit ein paar Mund- und Stimmbandverrenkungen glaubhaft jiddischen Hintergrund simulieren.

So besehen wirkt der Film, als trete er nach. Ein neuer Tiefpunkt in der elendiglichen, deutschen Naziploitationindustrie, in der jeder, der so ein Thema ausgräbt, Gelder bekommt. Als bezahlender Zuschauer würde ich nach einer Toleranzphase von vielleicht einer Viertelstunde das Kino verlassen und das Eintrittsgeld zurückverlangen für dieses dilettantische, unausgegorene Machwerk.

Keine der Figuren um Bermann herum hat ein Fundament, hat einen erkennbaren Charakter, es scheint, dass unter diesen Akteuren dieser 3. Klass-Männer-Darsteller-Riege ein Wettbewerb um das am schnoddrigsten hervorgewürgte Jiddisch stattgefunden hat.

Der Film fängt mit einem 3-beinigen Hund an, um irgendwann aufzuhören mit diesem, der anfangs in die leere Transitlagerkulisse hinein- und am Schluss mit Bleibtreu wieder hinaushumpelt. Und dann ist er doch keine Klammer um den Film, dann werden noch Tanzsszenen und Bleibtreu vorm Textilgeschäft eingeblendet, ohne weiteren Erkenntnisgewinn; sogar so eine Filmklammer verpatzt Garbarski und was ist mit dem Symbol des dreibeinigen Hundes? Soll der sinnbildlich für die KZ-Überlebenden stehen? Vielleicht ist das ja witzig gedacht, es sind ja nur körperliche Schäden, die die Überlebenden bekommen haben und es humpelt sich ganz gut als Dreibeiner und Überlebender?

Wie wenig ernst Garbarski und sein Autor Bergmann ihren Stoff nehmen, verraten sie gleich zu Beginn mit dem Satz, dass es sich um eine wahre Geschichte handle und was nicht ganz stimme, sei trotzdem wahr. Witz gemacht oder was jetzt?

Da haben sie sich das Fundament für jegliche Ernsthaftigkeit ihrer Kinoarbeit entzogen, das wird verstärkt durch wenig fähige Kamera-, Ausstattungs-, Regie- und Schnittarbeit, zusätzlich unterstrichen durch die Tonspur, die ständig „Lustigkeit“ zu zupfen scheint.

Der Film spielt 1946 im Transitlager UNRRA Team 533. Bemerkenswert ist ein kleiner Archivschnipsel, der eingespielt wird: ein Besuch von Eleanore Roosevelt.

Dialogregie ist gleich Null, die Sprecherei wirkt wie eine unbeholfene Leseprobe, wie unvorbereitete Abblattspielerei. Dieser Film ist ein weiteres Stück für das Museum der Auswüchse Deutschen Filmsubventionsdesasters. Es mangelt an Tempo, Timing, Rhythmus der Erzählung; sie bleibt in der Akademelei hängen. Auf Wiedersehen Deutsches Kino, möchte man da im Anklang an einen der letzen Sätze sagen, im Sinne des Auf-Nimmer-Wiedersehens!

Die von uns zwangsmäßg finanzierten Fernsehredakteure haben das Projekt offenbar ungelesen durchgewunken. Selig sind, die den Büroschlaf können.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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