Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott – The Shak

Warum ich der Geschichte dieses Filmes von Stuart Hazeldine nach dem Drehbuch von John Fusco, Andrew Lanham + 2 nach dem Roman von William Paul Young gebannt die über zwei Stunden gefolgt bin? Vielleicht weil hier Gott und christliche Bilder nur als Metapher zu Beschreibung im Umgang mit inneren Konflikten eingesetzt werden. Auf jeden Fall, weil das Drehbuch sich konsequent auf die Vorgänge im Kopf von Mack Phillips (Sam Worthington) konzentriert und weil dieses Bewusstsein die Zeit ausweitet, indem sie auch Sekundenträume in aller Ausführlichkeit und gleichzeitig verhalten und behutsam schildert. Weil Stuart Hadzeldine und seine Autoren den Zuschauer an der Hand nehmen durch die Prozesse, die Mack durchseucht auf dem Wege zu einer inneren Befreiung von seinem Hadern mit dem Schicksal.

Mack ist belastet. Seine Vorgeschichte als Kind, die wird wie ein Prolog vorangestellt. Wobei die titelgebende Hütte selbstverständlich schon vorkommt, eine einsame Waldhütte fernab des menschlich-städtischen Alltags.

Mack hatte einen brutalen Vater. Er wird Zeuge, wie dieser, alkoholiert, die Mutter schlägt. Er will es in der Kirche verarbeiten, also ein praktisch-pragmatischer Umgang mit diesem Element, er erzählt den Vorgang leise dem Pfarrer vor versammelter Gemeinde. Ein Blick des Pfarrers auf den Vater genügt und dieser weiß, dass der Bub geplaudert hat. Die Reaktion zu Hause ist unschön.

Sein jetziges Leben ist, wie er selbst oder sein beobachtender Nachbar feststellen würde, eigentlich gut zu nennen. Er ist verheiratet mit Nan (Radha Mitchell) hat die Kinder Kate und Josh und Missy. Sein kleinste Tochter, Missy, wird Opfer eines Mörders. Sie wird in der gewissen Hütte tot aufgefunden. Das treibt Mack um, nimmt ihm Freiheit und Leichtigkeit.

Der Film begleitet ihn zu einer Expedition in sein Bewusstsein von Schuld und Vergebung, Verzeihen, von urmenschlichen Verhaltensweisen, mit denen sich die Religionen beschäftigen, Themen, die Konstituentien für menschliches Sein und wohl auch Humanität überhaupt sind.

Dieser Film wird sich einiger christlicher Symbole bedienen. Diese geraten momentweise in einen etwas amerikanisch-flirrenden Erhabenheits-, Heiligkeits- und Erlösungsvisualmodus. Aber sie können die starke Konsequenz im Verfolgen des geistigen Prozesses, der über eine Begegnung mit seiner früheren Nanny, die hier als Papa (Octavia Spender, die seit den Hidden Figures spätestens eine bekannte Filmheldin ist) fungiert, nicht wegdrängen oder kleinmachen.

Zu Papa und einigen sie umgebenden Figuren wie Jesus (Avraha Aviv Alush), Sarayu (Sumire Matsubara) oder Sophia (Alice Braga) führt seine Bewusstseinsveränderungsreise inklusive Gehen über das Wasser oder an die Felswand klopfen und es eröffnen sich Räume bis zum rituellem Abschiednehmen von Missy in einem Irrgarten von Blumenmeer und unter der Leitung einer weiteren Vaterfigur (Graham Greene), eine schmerzhaften Lektion für ihn. Auch Trauerverarbeitungsfilm.

Diese geistige Exkursion wird bildlich-symbolisch angkündigt durch einen Blick auf die Glasfenster in der Kirche. Es geht um das Detail der Hand des ans Kreuz geschlagenen Jesus, um den Nagel darin. Der Kommentartext ist gerade dabei, das Leben von Mack als gut einzustufen, aber es erwarte ihn eine harte Prüfung. Schnitt zu seinem Haus, das im Schnee liegt. Mitten im Weiß vor dem Haus gibt es einen dunklen Punkt, der an den Nagel in der Hand von Jesus erinnert: es ist der Briefkasten, darin liegt ein nicht frankierter Brief mit einer handschriftlichen Mitteilung von Papa.

Das ist der Nexus zur Erinnerungsreise. So macht man das erzählerisch. So funktioniert das auch. Und auf diese Weise ist der Film sorgfältig gemacht, wie mir scheint, eine ausgezeichnete, eine mustergültige Literaturverfilmung; eine Erinnerungs-, Gewissensforschungs- und Glaubensreise.

Im Zentrum steht der biedere Mann, der nicht bösartige Mann, ein protoypisch alltäglicher Mann und wie das Schicksal mit ihm spielt, wie er mit diesen Kräften zurechtkommen muss, wie er wieder lernen muss, seine Frau und seine Kinder zu lieben, sich nicht im Hader runterziehen zu lassen.

Der Film spielt in Wallow-County, jedenfalls von dort kommt die Polizei. Auch die Musik ist einerseits Vertrauen erweckend, sie gibt dem Zuschauer Orientierung, aber sie lässt auch die Abgründe des Schicksals und die Offenheit des Endes spüren und sie lässt offen, ob es sich bei den Bildern um Realität oder Traum, um Bilder aus dem Unbewussten handelt, ob ihnen zu trauen ist.

Die Erkenntnis: Krieg existiere, weil alle im System Gott spielen. Die Lektion für Mack: bescheiden zu sein, nicht Gott zu spielen. Auch das Thema, über andere zu richten, diesem wird er in einer Szene, die ihn Nerven kostet, ausgesetzt. Andererseits die vielleicht etwas abgedroschener Weisheit und das Bild vom Weg, den nur er gehen kann (und muss). Und da es ein amerikanischer Film ist, kommt trotz aller geistigen Wanderung auch eine Pistole drin vor.

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