Ghost in the Shell

Aesthetisch-elegische Bildersymphonie in futuristischem De-Luxe-Design zum ewigen Thema Mensch und Roboter, Mensch und Maschine, Manipulation und Freiheit untermalt mit luftkissengefederter Air-Wave-Musik, wobei einige abgedroschene Schießereien durchaus konträr zum techno-poetischen Grundtenor stehen.

Eine Welt, die unter andauerndem Datenstrom steht. Major (Scarlett Johannson), die mit ihrer schwarzen Perücke an den Spatz von Avignon erinnert, und die von der Regie gelegentlich etwas zu lang auf den fixen Blick mit den großen Augen reduziert wird, hat einen Verkehrsunfall erlitten. Lediglich ihr Gehirn überlebt. Dieses wird in den Labors von Hanko Robotics in einen Roboterkörper eingebaut und zusätzlich manipuliert, so dass sie zu einer sensationellen Kampfmaschine wird. Als solche wird sie vom Verteidigungs Department 9 zur Bekämpfung des Staatsfeindes und Hackers Cutter (Peter Ferdinando) eingesetzt.

Durch diese Entfremdungen von sich selbst kann sie auch in das Gehirn beispielsweise einer suspekten Roboter-Geisha (Jacqueline Lee Geurts) eindringen. Solche Vorgänge bildlich plausibel zu machen setzt Regisseur Rupert Sanders (Snowwhite and the Huntsman) ein, was ihm die moderne Computertechnik an Hologrammen und anderen Raum- und Wunderwelten bietet. Molto elegante tutto.

Das Drehbuch stammt von Jamie Moss nach dem Manga von Masamune Shirow, das schon 1995 als Anime verfilmt wurde. Insofern ist diese Produktion ein Stück Repertoire-Kino, das einen bekannten und bewährten Stoff neu auflegt.

Kateshi Kitano spielt den Chef von Hanko Robotics, Juliette Binoche die Wissenschaftlerin Dr. Ouelet. Sie bringen einen Hauch menschlicher Regungen in diese futuristische Roboterwelt, in die Megacity mit ihren Häuserschluchten und mehreren Etagen von Verkehrswegen, in die sich Major in voller Roboternacktheit vom Dach eines Hochhauses hinunterstürzt.

Es gibt eine merkwürdige Begegnung mit der Mutter von Major, die in einem Hochhauskomplex wohnt. Die beiden erkennen sich nicht. Die Mutter hat die Asche ihrer Tochter längst begraben. Dadurch allerdings kapiert Major etwas, was sie auf die radikale Suche nach ihrer eigenen Vergangenheit machen lässt.

Das Thema der Menschlichkeit und dessen, was den Menschen ausmacht, ob es eine Vergangenheit ist, die sie mit einem Ausreißer und Außenseiter, dem Kapuzenmann, gemein hat, oder ob der Mensch sich durch seine Taten definiere, wird in den Raum gestellt. Allerdings sind diese Themen mehr rhethorisch eingesetzt und nicht auf dem Wege von Konflikten und deren Entwicklungen dramatisch untersucht, mehr illustriert durch einen überwältigenden Bilderbogen futuristischen Computer- und Roboterweltdesigns, diese momentweise allerdings mit dystopischem Unterton.

Wobei ein Begriff, wie der des Tiefentauchens in einer andere Person hinein, doch nichts anderes illustriert, als einen anderen Menschen zu studieren, ihm auf die Schliche kommen, was aber wohl in einem guten Krimi doch deutlich spannender sein dürfte, wo das Psychologische mehr Gewicht hat als das hier dominierend Technologische und Designhafte. Überwältigende Illustration geht hier vor Analyse und Konflikt.

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