Die versunkene Stadt Z

Die Akkuratesse, die sich Regisseur James Gray, der auch das Drehbuch nach dem Roman von David Grann geschrieben hat, für die Inszenierung, weil er mit 35 mm drehte, auferlegt hat, steht im Gegensatz zum Geheimnisvollen, auf das die Geschichte hinausläuft und in welchem sie sich auch verläuft.

Auf Geheimnis deuten in der Machart einzig die Lichtbestimmungen, die weg von Fröhlichkeit, Buntheit, Klarheit tendieren – die paar richtig romantischen Bilder machen da keine Ausnahme.

Es ist die Geschichte des Adeligen Percival Fawcett (Charlie Hunnam), der in der Auswahl seiner Vorfahren ein unglückliches Händchen gehabt hat, wie ein Hofschranze zwischen den Zähnen preisgibt.

Er ist ein Major und ein mutiger und treffsicherer Schütze, das beweist die Hirschjagd am Anfang des Filmes. Die einführenden Szenen in Cork in Irland geben bereits zu verstehen, dass es sich um eine breite, detailreiche, epische Erzählweise handelt, die sich Zeit nimmt – dafür muss sie ab und an, da die biographische Zeitspanne von Fawcett sich bis weit in die 20er Jahre des letzten Jahrhunderts hineinzieht, größere und abrupte Sprünge machen.

Fawcett leidet darunter, dass er noch keine Ehrungen oder Orden erhalten hat und erhofft sich solche durch den mutigen Hirschabschuss in einem für die Pferde hochgefährlichen Waldstück. Aus der Auszeichnung wird jedoch wieder nichts, da sind seine Vorfahren davor.

Fawcett ist verheiratet mit Nina (Sienna Miller). Im Laufe des Filmes vergrößert sich die Familie auf 5 Mitglieder, zwei Buben, ein Mädchen. Das Geheimnis aber, das sein Leben wesentlich bestimmen wird, liegt im Amazonas. Dort soll er, er hat Kartograph gelernt bei der National Geographic Society, im Regierungsauftrag mit einem kleinen Team, unter anderem mit Henry Costin (Robert Pattinson), den Grenzverlauf des Rio Verde zwischen Bolivien und Brasilien vermessen, denn es wird wegen unklaren Grenzverlaufes ein Kautschukkrieg erwartet.

Die Mission ist nicht ungefährlich. Die Expedition dringt in unbekannte Gebiete vor mit Schiffen oder mit einem selbst gebastelten Floss. Bald schon gibt es riskante Begegnungen mit 35-mm-filmtypischen Ureinwohnern, die giftige Pfeile schießen oder gar Kannibalen sind, was klar macht, dass es sich hier nicht um eine Dokumentation, sondern um eine explikative Bildergeschichte handelt.

Erinnert an Der Schamane und die Schlange, der in Schwarz-Weiß mehr dem Doku-Impuls frönte; während wir es hier mit einem absolut künstlichen, nicht realistischen, teils fast bühnenartigen Kammerspiel zu tun haben, in welchem ab und an die große rhethorische Keule geschwungen wird oder bedeutungsvoll geflüstert; fast wie didaktisch aufbereiteter Lehrstoff eines auktorialen Erzählers, der einen kleinen Zettel mit Botschaft genau so exakt einarbeitet wie einen bedeutungslastigen Kompass.

Auf dieser Expedition, die mit einem Opernerlebnis im tiefsten Amazonas garniert ist, stößt Fawcett auf die ersten Spuren früherer Kulturen. Das Geheimnis lässt ihn nicht mehr los, auch verdichten sich die Hinweise auf eine versunkene Stadt.

Zur Zeit des Ersten Weltkrieges kommt es zu einem Einschnitt in seinem Forscherdrang und zu einem Extempore der Story in die Schützengräben; auch das comme-il-faut in 35mm und arbeitet präzise die Qualität der Kanonenfutterhaftigkeit eines Soldaten im Ersten Weltkrieg heraus. Reizgas beschädigt Fawcetts Augen. Er zieht sich ins Privatleben zurück.

Wie sein Sohn Jack (Tom Holland) erwachsen ist, schafft dieser es, seinen Vater zu einer weiteren Expedition zusammen mit ihm zu bewegen. Jack brilliert gleich bei seinem ersten Auftritt, wie er einen Hasen in grünen Hügeln jagt, mit einer Leichtigkeit der Bewegung wie ein Federball.

Pathetischer Satz zu Beginn des Filmes: der Tod ist die Würze des Lebens.

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