From Business to Being

Better Politics for better Lifes.

Die Ausgangslage für diese anregende Dokumentation von Hanna Hengin und Julian Wildgruber mit den regieführenden Kameramännern Gregor Schönfelder und Nathan Hunt sind die enormen Arbeitsausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen und der daraus folgenden Produktionsausfallkosten und verlorener Bruttowertschöpfung allein in Deutschland von rund 22,5 Milliarden Euro.

Aus diesem Befund resultiert das Ziel der achtsamen Organisation. Also einer Organisation der Wirtschaft, die acht nimmt auf die Menschen, auf dass Arbeit und Stress sie nicht kaputt machen, damit die Bruttowertschöpfung nicht allzu sehr darunter leidet.

Die aktuelle globale und ökonomische Krise sei vor allem eine Führungskrise; andererseits ist Wachstum die Grundlage für Beschäftigung, um die riesige Überschuldung zu überwinden. Wie kann dem begegnet werden?

Die Filmemacher zeigen, dass sich zu diesem Thema eine ganze Wissenschaft und ein ganzer Wirtschaftszweig entwickelt hat, ohne dies explizit zu thematisieren oder zu kritisieren, sondern sie führen uns eine breite Palette von Professoren, Experten, Gurus, Institutionen und Methoden auf der Suche nach dem Ich, dem Jetzt, dem Glück, der Ausgeglichenheit, der Gesundheit und also der Fitness für den Job vor.

Hat der Mensch noch Zeit, Mensch zu sein? Wobei die Frage, die seit je auch dem Kriegssamariter galt, die ist, wozu einen Verletzten wieder herstellen, wenn er sogleich wieder aufs Kampffeld zieht? Die Frage nach einem neuen Wirtschaftsmodell kommt auf, dass der Mensch selber denke, statt für sich denken lässt oder dass er gedacht werde, dass er sich in den Lauf der Welt einordne, statt zu versuchen sie egoistisch zu beherrschen. Wobei auch die Geläuterten wiederum etwas zur Veränderung der Welt beitragen wollen.

Zwischen die Interviewaussagen von Weltverbesserern jeglicher Art und von Geschäftsleuten, Professoren, Drogeriemarktgründern, Aussteigern und Burn-Out-Menschen schneiden die Filmemacher Impressionen von großen Städten oder auch von der Natur, sie fahren durch Cities mit glänzenden Hochhausfassaden, den architektonischen Symbolen für die Macht von Geld und Profit.

In all die Bemühungen zur Ausgeglichenheit, zur Überwindung von Stress und Burn-Out wirken oft fernöstlich-buddhistische Meditationsmethoden hinein, die meist ausdrücklich aus dem religiösen Zusammenhang herausgeschält werden.

Der Film gibt Einblicke: in das Einzelcoaching mit einem Automobilmanager, der unter Stress leidet, in das Leben eines Aussteigers vom Investmentbanking bei den Lehmann-Brothers zum Gemsli-Wirt in den Schweizer Alpen; am Massachusetts Institut for Technologies fragt ein Aktionsforscher, was gegen die schwindende Begeisterung, für das was einer tut, zu unternehmen sei, er sucht den Weg vom Ego zu Öko und entwickelt soziale Technologien für Veränderungsprozesse; es gibt die Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR)-Methode, es gibt das Institut for Mindful Leadership und einen Kongress im Kloster Drepunang in Indien; die Suche nach einer neuen Wirtschaft des fürsorglichen Umgangs miteinander, es gibt die Abteilung soziale Neurowissenschaft am Max Planck-Institut, die die Wirkungen sozialen Trainings in Langzeitstudien untersucht, und ein Meditationsseminar zum Thema ethisches Leadership für Führungskräfte im Benediktenhof.

Und es gibt drei Vertreter verschiedener Führungsebenen einer deutschen Dorgeriemarktkette; hier geht die Philosophie vom Gründer aus; sie soll durch die Stufen der Hierarchie bis in den Laden vordringen; dieser Teil des Dokumentation wirkt wie ein Werbekurzfilm für diese Drogeriemarktkette, die – darüber sagt der Film nichts – im mörderischen Wettbewerb mit anderen Drogeriemarktketten steht (gerade ging ein Einkaufsstreit mit anderen Drogerien durch die News). Just dieser Wettbewerb hat kürzlich dazu geführt, dass in München ein entzückendes Kino, das Eldorado, geschlossen werden musste, weil eine Drogeriemarktkette die Räumlichkeit als Lager beansprucht. In diesem Zusammenhang wirkt das Motto des Gründers der hier präsentierten Dorgeriemarktkette etwas fragwürdig: je altruistischer ich mich verhalte, desto größer ist der Erfolg.

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