Warum muss Töchterchen Stephanie (Zoey Deutch) von Ned Fleming (Bryan Cranston) ausgerechnet an Laird Mayhew (James Franco) geraten?
Die Titelfrage wird in diesem Film von John Hamburg, der mit John Hill und Ian Helfer auch das Drehbuch geschrieben hat, den ordentlichen Betreiber einer Druckerei zur Verzweiflung und am Schluss wohl auch zu neuen Erkenntnissen bringen.
Es hat durchaus mit seinem Charakter zu tun, dass er gar nicht mitkriegt, dass die Tochter, die in Kalifornien studiert, einen Freund hat, dass sie gar mit ihm zusammenlebt. Dad feiert im Kreise seiner Familie und seiner Angestellten den 55. Geburtstag. Der pfiffige 15-jährige Sohn Scott hält einen launigen Vortrag. Per Internettelefonie schaltet sich Töchterchen Stephanie zu. Ihr Freund taucht im Hintergrund auftaucht und zeigt der perplexen Familie den nackigen Hintern, so exzessiv und überdreht, wie nur ein James Franco es zustande bringt.
Das soll der Freund der Tochter sein, so eine ausgeflippte Type? Das ist erst der Anfang. Die industrielle, amerikanische Komödie, der industrielle amerikanische Familienfilm, Hochzeitsfilm, der versteht es ausgezeichnet, krasse Gegensätze aufeinanderprallen zu lassen.
Laird ist ein Nerd, hat ein eigenes Unternehmen, extravaganter ausgestattet als unsere Phantasie es dem Silicon Valley zutraut. Mit dieser Welt wird die Familie von Stephanie konfrontiert und entkommt ihr nicht; denn Stephanie lädt sie zu Besuch ein. Extreme prallen komödienwirksam aufeinander.
Laird macht sein Geld mit Viedospielen, dem Gorilla-Game. Klar, dass er sich mit Sohn Scotty schnell versteht. Während die Annäherung an den Vater Reibstoff bietet.
Ein Beispiel für die Ausstattung mit Kunst in der Villa, die offenbar Wohn- und Arbeitsort für Laird und teils auch die Mitarbeiter ist (wirkt wie eine Hippie-Kommune 4.0), ist eine wandgroße Installation, ein Moschusochse in einem Glaskasten, der mit dessen Urin gefüllt ist. Das zu vergagen kann eine professionelle Komödie nicht widerstehen. Das ist Komödienhandwerk: Dinge, die vorhanden sind, einzusetzen, sie auf ihre Komödientauglichkeit, auf ihr Sinnverdrehungsmöglichkeit, ihr Missverständnis- und Pannenmöglichkeit hin zu untersuchen und entsprechend anzuwenden.
Schön ist der Gegensatz der Druckerfamilie, deren Erwerb auf dem Bedrucken von Papier fußt, während die Laird-Villa radikal papierlos ist, nicht mal auf dem Klo gibt es welches (auch daraus wird eine ergiebige Sketchsequenz: „Hier lernen sie den Tesla der Toiletten kennen“ (bitte nicht näher darüber nachdenken) und statt Notizpapier gibt es die allgegenwärtige Automatenstimme von Justine, die sich alles merkt und notiert.
Bis die Komödie aus all dem Chaos herausfindet und wieder zu den Flemings zurück, da dauert es noch ein bisschen, da stockts zwischen den Gags, denn die Welten müssen zueinander finden – und irgendwie sind sie doch alle Menschen und sich so unähnlich nicht, wie die Lebensstile augenfällig vorgeben.
Die Darsteller bringen das mit Mordskomödienpower und dem entsprechenden Spaß auf die Leinwand. In der Laird-Welt ist wenig Zeit, hier wird ‚totally‘ mit ‚tods‘ abgekürzt. All die Anwendungen der modernen Welt in der Villa bis hin zum eigenen Molekularkoch sind wie eine Führung durch futuristisches Wohnen und Leben. Neuheit über Neuheit. Sensation über Sensation.