Ballerina

Zum Steinerweichen,

das ist nicht zynisch gemeint. Das Herz und die Liebe zur Kunst, in diesem Falle zum Tanz, können Menschen, die fast schon zu Stein geworden sind, erweichen. Das ist die Moral von diesem animierten Märchen von Eric Summer und Éric Warin nach dem Buch von Carol Noble, Eric Summer und Laurent Zeitoun.

Es ist eine Art Aschenputtel-Geschichte. Zwei Kinder leben in einem traurigen, abweisenden, schlossartigen Gemäuer von Waisenhaus in der Bretagne, Félicie und Victor. Sie haben höhere Träume. Félicie träumt vom Tanz und Victor davon, ein Erfinder zu werden, er möchte einen Flugapparat konstruieren.

Die versteinertste Figur im Waisenhaus ist eine Nonne, der ist wohl nicht mehr zu helfen. Aber der Hausmeister hat noch ein Herz, das sich nach Anläufen bewegen lässt. Mit seiner Hilfe fliehen Victor und Félicie nach Paris. So eine Flucht ist eine turbulente Angelegenheit und bietet schöne Möglichkeiten für die Phantasie der Figur- und Gagentwerfer.

In Paris sind die beiden erst verloren und verlieren sich. Aber ihre Instinkte führen sie zu ihren Zielen. Félicie findet die Oper, kann verstohlen einen Blick auf die Primaballerina werfen. Victor wird im Büro des Erbauers des Eiffelturmes arbeiten. Denn dieses Wahrzeichen ist gerade im Aufbau begriffen.

Eine weitere historische Referenz ist die probehalber aufgebaute ‚Freizeitsttatue‘, die auf ihren Transport nach New York wartet.

In der Oper stolpert Félicie auf Odette. Auch sie ist eine versteinerte Figur, die am Stock geht und für eine reiche Familie Magddienste leistet. Ihr ist ein schweres Schicksal und dass sie schönere Zeiten erlebt hatte, anzusehen; sie ist einer der erweichbaren Figuren.

Während ihre Herrin eine dieser klischeehaft extrem auf Böse gestylten Märchenfiguren im Spekturm der Hexe ist. Sie trimmt ihr Kind Camille wie eine Eis- oder Rabenmutter zum Ballett. Camille will deshalb zum Ballett der Oper.

Sie wird mit Félicie, die es mit Glück und List und etwas Betrug zum Vortanzen schafft, bald um die Hauptrolle im Nussknacker kämpfen. Das Tanzduell der beiden wird der Höhepunkt sein in diesem tendenziell, vor allem auch durch die Musik, eher süßlichen Film.

Die animierten Tanzbewegungen sind ein Traum von Gechmeidigkeit und wenn die Zeichner eine Tänzerin oder einen Tänzer beim Sprung in die Luft verlangsamen und schier stehen lassen, dann dürfte das Herz eines jeden Tanzfans höher schlagen.

Die englische Sprachspur in der Originalversion ist attraktiv und wonnevoll.

Was ist ein tänzerischer Rohdiamant? Hat ein Gewicht wie ein Geschoss und die Depressivität eines Elefanten – das ist schön zu sehen bei einer Übung im Garten: von einer Pfütze aus soll Félicie ein Glöcklein an einem Ast hoch in der Luft mit einem Sprung zum Klingen bringen: beim Landen darf kein einziger Tropfen Wasser spritzen. Das ist tänzerische Leichtigkeit. Die wohnt dem Film inne.

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