Nocturnal Animals

Rätsel – oder keines.

Tom Ford hatte 2009 mit A Single Man Stil und Geschmack bewiesen und Interesse und Bewunderung geweckt.

Für seinen zweiten Film hat er den Roman „Tony und Susan“ von Austin Wright zur Verfilmung gewählt. Der plakative Inhalt ist der, dass eine erfolgreiche Galeristin, Amy Adams als Susan, von ihrem lange verflossenen Ex (Jake Gyllenhaal), der Autor ist, ein Buch erhält.

Das Buch ist Susan gewidmet. Darin wird sie als „nächtliches Tier“ gezeichnet. Durch die Lektüre des Buches geht in ihr eine Veränderung vor sich. Der bislang konsequent sorgenvolle Gesichtsausdruck weicht einem entspannten, Rouge und Schminke sind weg.

Formal ist dadurch eindeutig eine Forderung an klassisches Erzählkino erfüllt, dass die Hauptfigur durch die Erlebnisse, die sie in der Geschichte durchmacht, eine Wandlung – idealerweise zum Guten – erfährt.

Die Besonderheit hier ist, dass sie statt eine Abenteuerreise zu bestehen, nur ein Buch liest. Und dass der Filmemacher Szenen aus diesem Buch verfilmt.

Egal, was Tom Ford sich vornimmt, stilistisch ist es vom Feinsten, vom Auserlesensten. Überraschend oder rätselhaft allerdings ist das, was sich in dieser Lektürengeschichte, die zwischen das hochelegante, hochluxuriöse Galeristinnenleben geschnitten wird, abspielt: es ist eine extrem abgelutschte Wild-West-Selbstjustizgeschichte.

Darin spielt Susan die Hauptrolle und ihr Ex-Mann und Autor ist da noch ihr Freund. Mit diesem Ex-Freund und ihrer Tochter ist sie in einem geräumigen Wagen nächtens unterwegs im Niemandsland des Westens. Sie werden angemacht von drei unangenehmen Typen, die ebenfalls auf der leeren Straße unterwegs sind. Die Sache endet so, dass Susan, die Lesende, ziemlich mitgenommen wirkt; die erfundene Story trifft sie im Innersten.

Bei einem von Susans Wegen durch die Galerie hält die Kamera pointiert auf einige referentielle Kunstwerke: eine Märtyrer-Installation, nicht der Heilige Sebastian sondern ein schwarzer Bock, eine Bildtafel mit dem Wort „Revenge“ und ein Foto mit einer Wild-West-Schießerei.

Was allerdings die Performance zu Anfang des Filmes anlässlich einer Vernissage mit überdicken, nackten Frauen mit der Story zu tun hat, bleibt mir schleierhaft, auch wenn eine minimale Referenz in einer der Wildwestszenen, in einer Art Spelunke zu finden ist, in Form einer dicken Frau, die auf einem Stuhl sitzt, nuttenhaft.

Auf einen Unterschied zwischen dem Autor und der Galeristin macht ein Gespräch aufmerksam, sie behauptet, im Leben zu stehen und er würde das nicht tun.

Stichwörter, während des Screenings notiert: Edelhorror? Stylish Movie. Hollywoodschöne Männer – Nuscheln als Accessoire. Zeigt sich in der zusehenden Aushöhlung des Western-Genres eine kulturelle Veränderung? Alles irrsinnig malerisch, hochglanzmagazinhaft.

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