Paula (Carla Juri) ist ein ganz ordinäres Mädchen, eine ganz gewöhnliche junge Frau. Sie hat eine Freundin, die heißt Klara. Auch die ist ganz gewöhnlich. Sie können übertrieben lachen zusammen, kreischen sogar. Sie können sich ewig umarmen, wenn sie sich wiedertreffen. Paula kann ihr Gesicht hübsch verziehen, sie probt auch viel kindlich-verkindete Grimassen, sie kann auch wahnsinnig schreien oder richtig wie ein Fuhrmann über eine Treppe trampeln und breitmäulig ausrufen.

Paula wünscht sicht wie jede gewöhnliche junge Frau ein Kind. Doch ihr Mann ist ein bebrillter, dumpfer Trottel. Sie leben in einer Gartenlaubenkolonie in Norddeutschland.

Otto (Albrecht Schuch), der Mann von Paula, ist traumatisiert. Denn seine erste Frau ist nach der Geburt des ersten Kindes gestorben. So will er nicht, dass seine zweite Frau dasselbe Schicksal erfährt. Sie soll nicht Mutter werden. Wenn das mal nicht die Qualität einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung annimmt.

Und weil der Mann kein Kind will, zieht es die ganz gewöhnliche junge Frau zu ihrer Freundin Klara (Roxane Duran) nach Paris. Dort bandelt sie mit einem Künstlertypen an (Joel Basman) an. Es ist der Dichter Rainer Maria Rilke, den sie schon aus Flachdeutschland kennt.

Das Drehbuch dieser Geschichte stammt von Stefan Kolditz und Stephan Suschke; die Regie besorgte Christian Schwochow.

Allmählich kommen wir dahinter. Diese junge, ordinäre Frau ist doch nicht so eine ganz gewöhnliche Frau, wie Titel, Drehbuch und Inszenierung uns glauben machen wollen. Sie ist sogar eine ganz ungewöhnliche und eigenwillige Frau. Sie kommt aus Bremen, will Malerin werden und heiratet den Maler Otto Modersohn, der in der Künstlerkolonie Worpswede aktiv ist. Sie ist Paula Modersohn-Becker. Aber Schwochow interessiert ganz offensichtlich – wie auch der Titel insinuiert – nicht das Berühmte an ihr, sondern nur die Paula.

Die Künstlerkolonie feiert zehnjähriges Bestehen und der Regisseur hat für die unausgereiften Szenen junge Männer engagiert, die Künstlertum vorspielen, Trubel und Heiterkeit, Ausgelassenheit, wie nach seiner Sicht um 1900 Fin de Siècle oder Belle Epoque ausgesehen haben: aufgebretzelt laut und übertrieben dargestellte Emotion statt Spannung scheint die Devise von Schwochow zu sein.

Auch Bilderkäufer müssen übertriebene Lachanfälle spielen, andere Darsteller auch, bei der Beliebigkeit der Verteilung dieser Emotionsäußerungen auf die Figuren ist auch egal, wer nun genau welche Emotion gegen welche Gage produziert. Dito die Liebekrampfszenen.

Die Männerwelt von damals wollte Frauen als Malerinnen nicht anerkennen, das artikuliert der Film plakativ. In Paris findet Paula in Rodin einen Meister. Sie will lernen, lernen, lernen.

Der Infogehalt des Filmes ist eher dünn, da hat man in 5 Minuten Wikipedia mehr als in diesen zwei ausgedehnten Filmstunden.

Aus dem Werk von Modersohn-Becker ist kaum was zu sehen. Erst nach dem Tod von Paula, just so getorben, wie ihr Göttergattte es herbeibefürchtet hatte. Sie konnte Otto zum Sex unterm Leintuch überreden – allerdings lässt diese Aktivität eher auf eine künstliche Befruchtung schließen. Nach der verdeckten Zeugungsaktivität drapieren die Geschlechtsverkehr gehabt habenden Liebenden das Leintuch wie das Kopftuch einer Maria in der kirchlichen Ikonographie über ihre beiden Köpfe – wie für ein religiöses Erinnerungsbildchen. Gestelzte Regie.

Lautstarkes Gebrüll und Auseinandersetzung statt Spannung. Es geht den Filmemachern nicht darum, den inneren Prozess von Frau Modersohn-Becker mittels der Reibung an ihren Mitmenschen und Mitkünstlern sichtbar zu machen.

Es ist dies eine Verfilmung fürs Groschenpublikum, was nicht Konflikte, sondern Gefühl sehen will. Damit wird es bereitwillig bedient. Den vielen, vielen fördernden Gremien reicht das offenbar, um den Geldhahn weit aufzudrehen. So ein Film muss ja nicht für die Ewigkeit gemacht sein wie ein Gemälde von Paula.

Meist wird überprononciert und immer viel zu laut gesprochen und oft genug deutlich auswendig gelernt, kein Wunder bei den hakeligen Texten, denn so ein Film, der muss die Natur und die Menschen ja nicht genau beobachten, just das, was Paula lernen wollte.

Nach Paulas Tod werden kursorisch einige Gemälde gezeigt wie in einem Lagerraum.

Bei diesem Hau-Drauf-Regie-Theater werden sogar die Seifenblasen in Paris nervös. Nein, schniddeldibibb, wie dumm sind wir denn, hier ist kein Bart ab.
Wie wohltuend wirkt dagegen der Film über Egon Schiele, der nur wenige Jahre später spielt.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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