Anfang 80 (BR, Samstag, 10. Dezember 2016, 22.00 Uhr)

Charmante Liebesgeschichte zweier Unsichtbarer.

Zum 80. Geburtstag der großen österreichischen Schauspielerin Christine Ostermayer beschenkt der BR spätabends sein Publikum mit der deutschen Erstausstrahlung dieser zart-bitteren, charmanten AltersRomCom von Sabine Hiebler und Gerhard Ertl von 2011.

Christine Ostermayer als Rosa und der ebenfalls großartige Karl Merkatz als Bruno sind hier ein Senioren-Traumpaar. Bruno wird im Altersheim, allerdings nicht ohne Bösartigkeit, der Romeo genannt.

Bruno ist seit Jahrzehnten glücklich verheiratet. Eben hat er seinen Kater Kreisky einschläfern lassen und will ihn wild begraben. Da trifft er auf Rosa. Während sie bei Untersuchungen eine Krebsdiagnose gestellt bekommen hat, hat ihre Tochter die Wohnung gekündigt. So steht Rosa nun mit einem Koffer vor ihrem Haus, das nicht mehr ihres ist. Ihre Lebensaussicht: noch ein halbes Jahr.

Rosa will was Neues anfangen. Ihre Tochter steckt sie ins Altenheim. Dort besucht Bruno sie. Diese Amoure macht Furore und kommt ins Gerede, die Welt ist klein, bald kommt sie Brunos Frau zu Ohren. Sie schmeißt ihn raus.

Jetzt sind die beiden, Rosa und Bruno, richtig frei für eine entzückende Liebe, sie fühlen sich ungebunden, denn auch bei der Röntgen-Untersuchung hat Rosa die Erfahrung gemacht, dass die Alten unsichtbar seien, man vergisst sie einfach, man übersieht sie, sie sind nicht vorhanden. Oder die Umwelt hält sie für blöd und dement.

Bis die beiden endlich ihre eigene Wohnung haben über die Zwischenstufe eines Pflegeheimes und einer kleinen Schelmenstory mit traurigem Tiefsinn, müssen sie die sich ach so kümmernde Umwelt von Kindern, Altenheimleitung, Pflegern, Psychologen und besorgten Behörden überwinden, überlisten und austricksen.

Die Liebe löst unglaubliche Kräfte aus, die über alle Bedenken und Probleme, die die liebe Umwelt mit der Liebe zweier Menschen hat, hinweghilft. Wobei bei einer Liebe im Alter, und noch mit dieser Diagnose, der Tod, der erwartbare, der sich nähernde Tod immer eine Rolle spielt und das Risiko von Kindern als selbstironischer Joke vorkommt.

Wie würdevoll, charmant und gelassen die beiden wunderbaren Darsteller damit umgehen, wie leichtfüßig und humorvoll bis hin zum kleinen Knalleffekt! Doch die Wohnung beginnt zu verwahrlosen, weil es die Kräfte von Bruno übersteigt, einen Zweipersonenhaushalt mit einem Pflegefall zu führen. Rosa hält es nur noch mit regelmäßigen Morphiumspritzen aus.

Trotzdem bleibt offen, was der Unterschied zwischen verliebt und dement denn sei… aber es ist ihre Zeit, da kann es noch so oft an der Tür klingeln, man muss nicht jedes Mal aufmachen und sich von irgendwem in der Wohnung rumschnüffeln lassen.

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