Jacques – Entdecker der Ozeane

Jacques-Yves Cousteau mit der roten Wollmütze war ein Pionier in der Meeresforschung und der filmischen Dokumentation darüber.

Nach dem streng gebügelten Drehbuch von Cousteaus Sohn Jean-Michel zeichnet Jérôme Salle das Leben dieser faszinierenden Persönlichkeit in plakativ leinwandwirksamen – meistens Sonne, Wasser, Wärme – Bildern nach.

Anfangs will es scheinen, als ginge es darum einen Werbeprospekt für einen Gute-Laune-Mittelmeer-Film zu machen; wenn bei dem kleinen Propeller-Fluzgzeug mit den zwei jungen Männern drin nicht eine kleine Unregelmäßigkeit sich melden würde.

Überhaupt, gut aussehende, gebräunte Typen, schöne Menschen, auch gut gekleidet, die sich an einer traumhaften Meeresbucht sommers zur Grillparty treffen. Es ist nach dem Krieg. Cousteau hat mit einer Erfindung Geld gemacht, mit einer Unterwasserkamera; Aufnahmen, die er damit gemacht hat, führt er Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern vor. Genusskino pur auf großer Leinwand.

Ein Film mit prägnant skizzierten Figuren, momentweise fast in Richtung ComicZeichnung tendierend, der sich über mehrer Jahrzehnte streckt, von 1949 bis 1979. Das Drehbuch pickt entscheidende Stationen aus dem aufregenden Forscherleben von Cousteau heraus.

Cousteau hat davon geträumt, Pilot zu werden; konnte dies aber nicht wegen eines Verkehrsunfalles. So wandte er sich der Unterwasserforschung zu. Sein Sohn Philippe wollte den Traum vom Fliegen wahrmachen – mit tragischen Folgen.

Cousteau war ein Getriebener. Geld hat ihn nicht interessiert, nur seine Forschung, die Filme. Mit Simone Melchior genannt Loubi, hatte er eine treue Frau an seiner Seite, die ihm seine zahlreichen Seitensprünge nachsah. Wie sehr sie ihn unterstützte, das ist schön verknappt auf ihre Schmuckschatulle dargestellt, mit der sie die Flottmachung des ersten Forschungsschiffes, der Calypso, finanziert hat; der Zuschauer braucht sich nicht zu hintersinnen, worum es hier geht.

Es folgt die Phase der großen Verträge mit einer Erdölfirma; denn seine Forschungen waren für die Prospektion von Erdölfeldern nützlich – solange es noch keine Roboter gab. So weit ein Sonntagsgemälde dieser Geschichte.

Plötzlich kommt es zum Konflikt zwischen Philipp und dem Vater; dieser erweist sich als ein monomanisches Arschloch; ab hier nimmt die Spielfilmspannung wieder zu, weicht der lediglich fürs Museum bestimmten, illustrierenden Präsentation; die Wege trennen sich; es gibt eine knapp skizzierte Liebesgeschichte von Philipp.

Für das waghalsige Projekt der Antarktis-Expedition finden sich der filmende Sohn und der Vater wieder zusammen. Uns beschert diese Reise weitere grandiose Unterwasseraufnahmen; aber auch die Überbleibsel des misslichen Tuns von Walfischfängern, von Walfischschlächtern; womit die Initialzündung für eines der Vermächtnisse von Cousteau, weswegen sein Name so einen guten Klang, hat, gegeben ist: dem unermüdlichen Einsatz für den Schutz der Meere und dem Erreichen eines Jagdmoratoriums für die Antarktis.

Es gibt auch Forschungsarbeiten, die keine Zukunft hattten, das Unterwasserwohnen; ergibt aber bemerkenswerte Aufnahmen.

Ein Film in Cinémascope und in opulenten Bilder mit großer Bildfrische; aber auch: Dekorfilm mit markant, fotogenen Gesichter (auch entsprechend hergerichtet), anfangs die vier Meeresforscher, die sich Musketiere nannten; allen voran Lambert Wilson als Cousteau. Dann Pierre Niney (Frantz) als erwachsener Sohn Philippe, Audrey Tautou als treue Gattin Simone.

So reduziert arbeitet Jean-Michel Cousteau: der entscheidende Liebesdialog zwischen Philippe und seiner Geliebten, wie Philippe wieder auf Forschungsreise will; sie meint „stay here“ und er „come with me“.

Wie unkompliziert er handelte, zeigt das Beispiel, wie er bei den Arbeiten zur Fahrertüchtigung der Calypso, die er für einen Franc erstanden hatte, Bébert, der ihn lange begleiten sollte, engagierte. Dieser hatte – und es ist klar, mit großer Anstrengung – einen Lebenslauf geschrieben, mit welchem er sich bei dem bereits bekannten Cousteau bewerben wollte. Der zögert, lässt ihn stehen, ein Winstoß weht das kostbare Papier in einen Tümpel, Bébert steht vor dem Ruin seine Arbeit, die ihn viel Energie gekostet hat. Cousteau bittet ihn, das nasse Blatt ihm zu bringen, zerknüllt es, wirft es weg – und ab an die Arbeit.

Knapp ohne jede Verehrungshudelei werden die Goldene Palme von Cannes und andere Erfolge während eines rasend schnellen Kalenderdurchblätterns, das das Coming-of-Age seiner Söhne im Internat angenehm abkürzt, abgehandelt.

Erst der zweite Blick zeigt den wesentlichen Aspekt: es ist der Film des Sohnes und des überlebenden Bruders zugleich. Das fällt vielleicht deshalb nicht so auf, weil es sich um kein devotes Verehrungsmovie handelt, eher aus der Perspektive eines forschenden Filmers.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.