Die Hände meiner Mutter

In diesem vom Fernsehen (ZDF Das kleine Fernsehspiel) unterstützten Film von Florian Eichinger dominiert der Themenanspruch vor dem Kinoanspruch. Das ist schon daran ablesbar, dass die Verantwortlichen Stäbe, die in den Titeln erwähnt werden wollen und nicht erst im Abspann, dass für diese immer wieder die bereits in Gang gesetzte Handlung einer Party auf einem Schiff unterbrochen wird und dann schwarze Texttafeln mit diesen eminent wichtigen Namen eingeblendet werden (diese Funktionärshybris war neulich schon beim Tatort zu beobachten gewesen). Normalerweise würde man das für Eitelkeit und Überheblichkeit der Funktionäre halten, die sich den Vorrang vor dem Werk einräumen; da hier aber das Thema und nicht das Werk wichtig und diffizil ist – vielleicht wollen sie mit der Betonung ihrer eigenen Wichtigkeit und Gewöhnlichkeit vom schwierigen Thema ablenken.

Das Thema ist diffizil genug. So wie der Film aufbereitet ist, dürfte er allemal als Diskussionsgrundlage ausreichen für Symposien, Foren und Seminare für Therapeuten und Theologen, Soziologen, Pädagogen und Betroffene, die sich mit dem Thema Missbrauch eines Buben durch die Mutter befassen. Darum geht es hier.

Markus (Andreas Döhler) ist von seiner Mutter Renate (Katrin Pollitt) als Heranwachsender körperlich missbraucht worden. Wobei das Alter nicht ganz klar ist. Die Szenen werden, ein hübscher Kunstgriff, von diesem erwachsenen Schauspieler mit dem schuldbewussten Blick in einem Kinderpyjama in seinem Kinderzimmer nachgestellt. Das ist auch so unangenehm genug.

Wobei der Film viel Zeit mit Füllszenen verbringt, andauernd gibt es Partys und Feiern und da wird die ganze Mespoke wie live dokumentiert – Szenen als Übersprungshandlungen? Nachdem in gut deutscher Themenfilmmanier anfangs das Thema mal wieder vergeheimnisst wird, kommt Eichinger aber bald zu Sache und es werden Gespräche in den verschiedensten Konstellationen geführt unter direkt und indirekt Betroffenen, es kommt zu Szenen mit Psychiatern und Paartherapeuten und es gibt auch minime Hintergrundinformationen zu den Eltern der missbrauchenden Mutter.

Katrin Pollitt nimmt man das übrigens ab, während Andreas Döhler zwar zusehends sympathisch wirkt, nachdem man anfangs noch Zeit hatte über seinen in den Szenen wachsenden Bartwuchs nachzudenken, bei ihm überzeugt die Rollenkonsequenz, nicht unbedingt die Figur, wenn man davon ausgeht, dass missbrauchte Menschen eher zu einer Maske neigen, weil sie ja ein tiefes Geheimnis in sich tragen, das höchst tabuisiert ist und sie Jahre brauchen, wenn überhaupt, bis es an den Tag kommen darf.

Wie denn sowieso zu erwarten ist, dass die Diskussionen zu dem Film typischerweise darüber laufen dürften, ob man es so oder anders hätte zeigen sollen, als über den Fakt selber; wobei es vermutlich wiederum mehr darum gehen müsste, wie die Umwelt mit so einer Angelegenheit umgeht. Filmszenen zu einem fast undiskutablen Thema als Diskussionsgrundlage.

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