Florence Foster Jenkins

Fairerweise müsste ich nochmal den französischen Film Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne anschauen, der genau dasselbe Thema hat, bevor ich anfange diese amerikanische Variante von Stephan Frears (The Program – Um jeden Preis, Philomena, Lady Vegas) nach dem Drehbuch von Nicholas Martin auseinanderzunehmen.

Es geht um jene berühmte historische Figur Florence Foster Jenkins in der Belle Epoque, die zwar die Musik liebte und förderte und Ambitionen auf eigene Auftritte hatte, die sie sich als reiche Erbin leisten konnte, die jedoch nur mit Mühe und gelegentlich den richtigen Ton fand.

Bei Frears spielt Meryl Streep diese Sängerin. Im Gegensatz zur Französin Catherine Frot, die in der französischen Version die Jenkins als naive Kunstliebhaberin darstellt und so eine Bresche für die Liebe zur Kunst schlägt, interpretiert Meryl Streep die Rolle im Sinne eines Reiche-Damen-Bashings, zeigt die Figur als eine, die keinerlei Feeling für die Musik hat, für die ihre Auftritte reine Schrulle sind, sie wird so zur Darstellerin einer Comedy, welche sich gegen Ende hin welk zum Melodram absenkt.

Frears lässt Streep allzulange falsch singen bei gleich zwei Konzerten.

Höhepunkt ist der Auftritt in der Carnegie Hall vor eingeladenen Kriegsveteranen.

Frears‘ Film beeindruckt mit schwerer Ausstattung, während sich die ärmere französische Produktion auf Pfiff verlässt. Allein schon die beiden jungen Journalisten von Le Monde, wie sie ihr Erstaunen zeigen, wie sie einen vergifteten Artikel lancieren.

Bei Frears geht es dumpf auf dumpf. Nach dem Carnegie-Auftritt sind alle Zeitungen voll des Lobes bis auf die Washington Post. Da nimmt sich Frears ausgiebig Zeit für den abgenudelten Gag, wie der Gatte von Streep, Hugh Grant als St. Clair, versucht, alle Zeitungen um den Block herum aufzukaufen und wie lange es dauert, bis die Streep das wittert und endlich ein Exemplar im Müll findet; das macht schwerfällig und dehnt den Film ohne inhaltlichen Mehrwert.

Auch das Zweitverhältnis von Grant, wird bei den Franzosen mit Witz vorgetragen und immer wenn Madame Maguerite ein Konzert gibt (wobei die Franzosen auch noch einen künstlerischen Ausflug in den Futurismus/Dadaismus sich erlauben, was horizonterweiternd wirkt), fährt ihr Gatte mit seinem Sportwagen übers Land und behauptet seine regelmäßige Panne, damit er nicht einen Ton seiner verehrten Gattin sich anhören muss.

Ein weiterer Hinweis darauf, dass es Frears mehr um Komödienmechanik, denn um die Liebe zur Kunst geht, ist die Figur des Korrepetitors, Simon Helberg als Cosme McMoon, der mit seinem ersten Auftritt und dem verlegenen Lächeln unter den großen, naiven Augen überrascht, aber bei dieser Gesichtsmimik über den Rest des Filmes hinweg stehen bleibt, als ob die unglaublichen Erlebnisse in ihm keinerlei Veränderungen bewirkt hätten.

Vielleicht ist der Film mit dem falschen Fuß aufgestanden. Er fängt mit schwerem Bühnenauftritt von Jenkins als schwerer Engel an, der von mehreren Bühnenarbeitern in die Höhe gezogen wird, um gleich mit einem „Ritt der Walküren“ fortzufahren.

Nach so einem Wagner-Kolossal-Start ist nicht mehr ins leichte Fach zu wechseln. Der Film versinkt in der schweren Ausstattung, hängt wie in schweren Tüchern; versucht die Dekadenz der reichen New Yorker Gesellschaft zu zeichnen in einer verstaubt wirkenden Gesellschaftskomödie, wobei Hugh Grant den typischen Boulevard-Helden spielt, der vollauf damit beschäftigt ist, in jedem Moment strahlend zu wirken und glatt.

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