Deepwater Horizon

Die Katastrophe von 2009 war real, der Blouwout der Ölbohrplattform Deepwater Horizon, die größte Ölkatastrophe vor der Küste der USA.

Es gab elf Todesopfer. Sie werden im Abspann namentlich genannt und mit Bild gewürdigt, wodurch der Film von Peter Berg nach dem Drehbuch von Matthew Michael Carnahan und Matthew Sand nach dem Artikel von David Rohde und Stephanie Saul die Qualität eines erweiterten Totengedenkens erhält.

Der Schuldige ist schnell und deutlich ausgemacht, es ist der Milliardenkonzern BP (John Malkovich als dessen Mitarbeiter vor Ort Vidrine). Er übt massiv Druck aus auf den Vortrieb der Bohrungen im Golf von Mexiko in 1500 Metern Tiefe, da dieser schon über einen Monat in Verzug ist.

Aus Sparsamkeitsgründen lottert alles auf der Plattform, Alarmsignale funktionieren nicht, Telefone auch nicht und die Firma Schlumberger, die einen Zementdichtetest am Meeresgrund hätte durchführen sollen, wurde unverrichteter Dinge nach Hause geschickt.

Von der Machart her ist der Film nach ordentlichem, gängigem Katastrophenfilm-Schema gestrickt. Einige Figuren werden privat und mit ihren Liebsten vorgestellt, häusliche Szenen, Abreise, man sieht sich in drei Wochen wieder, Anreise zum Heliport für die Mitarbeiter der zahlreichen Ölbohrplattformen, die Infos über den Zustand der Plattform Deep Water Horizon, den nicht gemachten Zementtest, die Kamera entdeckt bei einer ihrer Fahrten zum Meeresgrund schon einige gefährliche Bläschen aufsteigen, es gibt viel bild- und omenhafte Hinweise, die auf das Unglück hindeuten, eine Getränkedose, die platzt, eine Magentakrawatte, die ein Funktionär bittschön abnehmen möge, da Magenta die Farbe für die höchste Gefahrenstufe sei, souveräne Erzählung.

Die Akteure schlagen sich gut, Mark Wahlberg als Mike Williams und Kurt Russell als Jimmy Harrell, die beiden Haupthelden.

Dann bricht die Katastrophe in mehreren Stufen aus, lässt nach, kehrt verstärkt zurück, auch das wohldosiert, nach den ersten Infos setzt die gut geölte Rettungsmaschinerie ein.

Allerdings hat der Film vorher versäumt, vor Ort auf der Plattform die genauen Wege und Orientierung zu vermitteln, den Zuschauer mit den Verhältnissen so vertraut zu machen, dass er sich das Risiko und die Gefahr und die Rettungschancen bei einem Brand auch ausmalen kann; das gelingt nun nicht so ganz, da vor lauter Feuerbällen und einstürzenden Gestängen zwischen denen ums Überleben kämpfende Figuren nur schemenhaft wahrzunehmen und die realen Überlebenschancen kaum abzuschätzen sind. Für den Zuschauer ist es schwer, den Stand der Katastrophe zu ermessen, wodurch der Eindruck des Protokolls einer Feuerwehrübung entsteht, die vor lauter Begeisterung auf gespenstische Horrorbilder setzt.

Die Rettungsaktion verschwindet in Unkenntliichkeit und in Aktivismus. Wogegen die Realbilder, die am Schluss gezeigt werden, ein viel klareres Bild abgeben.

Die Lebensrealitäten von Mike und Jimmy scheinen einigermaßen nacherfunden und konfektionshaft.

Im Vergleich dazu ist der Katastrophenfilm „Sully“ von Clint Eastwood über die Wasserung des Passgierflugzeuges am Hudson glaskar und lässt in jedem Moment die Gefahr, das Risiko einschätzen und damit spannend werden. Hier hingegen scheint die Absicht, diese Gefahr zu überhöhen; die Pyrotechniker haben Ehrgeiz entwickelt, den Brand so drastisch wie möglich darzustellen und haben dafür die Glaubwürdigkeit an Zahlung gegeben.

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