Egon Schiele: Tod und Mädchen

Munter, unverkrampft und mit großer Lust an unbeschwerter Sinnlichkeit lässt die Darstellerriege dieses Filmes die letzten Atemzüge der Belle Epoque in Wien bis zum Ende des ersten Weltkrieges aufleben.

Im Mittelpunkt Egon Schiele (Noah Saavedra, Künstler durch und durch) und seine kleine Schwester, noch minderjährig, Gerti (Maresi Riegner). Erst ist der Onkel beider Vormund und mit dessen Tod wird es Egon über Gerti. Ihr gegenüber legt er andere, moralischen Maßstäben an, als an seine eigenen, lockeren Liebesbeziehungen. Der Schwester gegenüber ist er streng und orthodox, sie dürfe erst mit 21 heiraten, wenn sie volljährig ist.

Gerti ist erst seine Muse. Kurz ist es Moa Mandu (Larissa Breidbach), die Schiele aus einer Show „Lebende Bilder“, bei der die Herren Zuschauer anschließend Separéetermine mit den Darstellerinnen machen können, rettet.

Bald schon folgt Walli Neuzil (Valerie Pachner). Erst zieht eine kleine Künstlerclique „Neukünstler“ um Schiele nach seinem Rauswurf aus der Akademie weg von Wien nach Krumau, 1910, und dann ins abgeschiedenere Neulengbach, 1911. Hier folgt die Anklage wegen Kinderschändung, ein dunkles Kapitel.

Schiele wird unterstützt von seinem Lehrmeister und Mentor Klimt (mit Autorität: Cornelius Obonva), der ein feines Atelier hat. Parallel zu den lustigen, vom Künstlergeist und auch ein bisschen Erfolg durchdrungenen Lebens- und Liebesphase schneidet Dieter Berner, der mit Hilde Berger auch das Drehbuch geschrieben hat, die Krankheits- und Sterbeszenen von Schiele, der aus dem Krieg zurück an spanischer Grippe erkankt, nachdem schon Wally, die in Dalmatien als Krankenschwester gearbeitet hat, an Scharlach gestorben ist.

Diese Szenen sind als Echo auf die dunklen Szenen in seinen Zeichnungen und Bildern angelegt – oder als Vorahnung. Der Film ist süffig konsumierbar wie ein Heuriger; wäre allerdings noch etwas feuriger, wenn er vor allem im hinteren Viertel auf 90 Minuten runtergekürzt würde, der Krieg, die zu ausführliche Geschichte mit den Nachbarinnen Adele und Edith Harms (Elisabeth Umlauft und Marie Jung) von der anderen Straßenseite seines Wiener Ateliers nach der Rückkehr von Neulengbach, hier kommen keine neuen Impulse oder Erkenntnisse mehr dazu, hier wird vor allem ausgeschmückt. Knapper abehandelt werden könnte auch die denkwürdige Ausstellung Secession, die ihm den Durchbruch brachte.

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