Amerikanisches Idyll – American Pastoral

Das kommt intensiv rüber, dass Ewan McGregor, der die Hauptrolle spielt und inszeniert, betroffen und berührt ist vom Roman von Philip Roth, den John Romano zum Drehbuch umgearbeitet hat.

Ein Stück weit kommt McGregor sicher seiner Hauptfigur, Seymour ‚Swede‘ Levov nahe: gutaussehender Amerikaner, Sportskanone und bekommt noch dazu die schönste Frau, die mit einem Misstitel geehrt wurde. Ein amerikanischer Traummann.

Die Erzählung setzt in der Jugend ein, in der Zeit, wo die jungen Menschen flügge werden, die Schulfreundschaften auseinandergehen. Der von allen bewunderte „Schwede“ kann von seinem Vater, einem sozialen Unternehmer in Newark, eine Handschuhfabrik übernehmen, ist mit einer der schönsten Amerikanerinnen, mit Dawn (Jennifer Connelly) verheiratet und hat mit ihr ein Kind, Merry. Dann verlieren sich die Spuren und die Kenntnisse.

Der Autor, ‚Skip‘ genannt, ist der Erzähler in der Rahmenhandlung, ein Jahrgänger des Schweden, der 45 Jahre lang die Klassentreffen gemieden hat und erst jetzt sich dazu durchringt, teilzunehmen und erstaunt ist, dass er als Autor die Geschichte des Schweden nicht mitbekommen hat.

So wird sie nach dem Hörensagen vom Klassentreffen stichpunkartig nacherzählt. Es entsteht der Eindruck, es könnte sich um die verfilmten Notizen dieses Autors handeln, wobei die Erzählposition nicht geklärt ist. Dadurch wirkt die Verfilmung oft hackelig, so als haben sich die Filmemacher ausgesprochene Mühe gegeben, zu entscheiden, welche Dialoge wichtig seien und beibehalten werden müssten, welche nicht.

Der Schauspieler als Regisseur hat theaterhaft intensiv und konzentriert inszeniert, die Kamera hat das aus verschiedenen Positionen aufgenommen und irgendwie musste das dann zusammengeschnitten werden; das ist für den Flow nicht unproblematisch, erleichtert jedenfalls den Einstieg des Zuschauers nicht unedingt; wobei in der Entwicklung der Story eine große Klarheit liegt – einerseits; andererseits wiederum manche treibende Geschichten brach liegen bleiben.

Die Antriebskraft von Dawn zum Beispiel. Es wird schon gezeigt, wie sie hartnäckig um ihren Schweden buhlt, wie sie sich bei dessen Vater unnachgiebig zeigt, der die Einwilligung zur Hochzeit davon abhängig macht, dass etwaige Kinder die Bar-Mizwa erleben sollen; während Dawn stur auf ihren christlichen Glauben pocht und Kinder auch taufen möchte, sie aber im übrigen selbst entscheiden lassen will.

Dawn schafft es, den alten Herrn zu überzeugen. Die Reaktion des Schweden bleibt verhalten. Ihr einziges Kind ist ein Mädel, Merry, und es stottert. Eine Psychologin erläutert, dass das mit der Dominanz der Mutter, ihrer Unerreichbarkeit als ehemaliger Schönheitskönigin zu tun habe.

Es gibt eine Szene, in der das kleine Mädchen im Auto den Vater auffordert, es zu küssen, aber richtig, so wie er die Mutter küssen würde. Der Vater reagiert abwehrend und unbeholfen.

Die Szenen wirken wie ein Protokoll. Der Zuschauer bekommt viele Infos über Dialoge erzählt. Er erlebt die Distanzierung der 16-jährigen Tochter von den Eltern, die Zuwendung zur aufrührerischen Jugend zur Zeit des Vietnamkrieges.

Die Eltern haben den Draht zum Kind längst verloren. Nach einem Terroranschlag, den Merry (in der erwachsenen Variante: Dakota Fanning) begangen hat, taucht sie unter. Die Eltern, vor allem der Vater, leiden. Verständlich. Er wird das nie verkraften, auch wenn er sie wieder aufspürt. Er wird sterben.

Der schöne, aufregende, idealtypische Amerikaner wird sterben noch vor Ende des Filmes. Das ist traurig, eine traurige Geschichte, das ist die Betroffenheitsinfo, die Ewan McGregor uns erzählt. Die Erzählung wirkt ehrlich gemeint.

Der Erzähler als Chronist, der darauf verzichtet, aus der Geschichte eine Subjektive zu machen, die von dieser Position aus eine Spannung erzeugt.
Irgendwie noch kein fertiges Drehbuch.
Die Darsteller sind deutlich fett auf sonnengebräunte Idylle geschminkt.

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