Ein Teil von uns (ARD, Mittwoch, 16. November 2016, 20.15 Uhr)

„Woher wusste sie, dass wir heiraten?“
„Ich hol mir was zu trinken, ja.“
„Ich finds super, dass du dich um die Frau gekümmert hast.“
„Ach so, ich schlaf gar nicht bei Dir.“
„Ist alles ok bei Dir?“ – „Alles gut“.
„Deine Beine sehen schlimm aus, du musst zum Arzt gehen.“ -“Hau ab du, alte Fotze!“
„Eine Mutter muss doch dabei sein, wenn das Kind heiratet.“
„Ich muss Irene suchen, sie ist gestern bei mir gewesen.“
„Ekelts dich?“ – „Mich ekelts auch.“
„Wenn du so viel übereinander ziehst, fangen die neuen Sachen auch gleich wieder an zu stinken.“
„Ihre Mutter ist zu krank – dafür haben wir hier nicht die Möglichkeiten.“
„Micki, du musst mir einmal helfen.“
„Micki, wir können es doch wenigstens versuchen.“
„Niemand ist böse, Irene.“
„Jetzt ist alles gut.“
„Irene, du darfst nachts nicht mehr abhauen, sonst verlierst du den Platz auch noch.“
„Versuch einfach nur, ne Lösung zu finden.“
“Tut mir leid, wir verzweifeln selber täglich am System.“
„Hast du das mal gesehen, wenn jemand fixiert wird?“
„Hast nicht Lust mitzukommen nach Peru, du musst mal raus.“
„Du, dann einigen wir uns darauf, dass wir sie verrecken lasen.“
„Mir war vorhin so schlecht, ich dachte, ich muss kotzen.“
„Sie wird doch sowieso sterben. Vielleicht geht es uns dann besser.“
„Ich weiß noch, dass wir aufgewacht sind und sie nicht da war.“
„Ich hab das alles mitgekriegt.“
„Ich habe ne super Pension für Weihnachten gefunden, mitten in den Bergen.“
„Macht man denn sowas mit seiner Mutter?“

Dialogfetzen aus diesem Fernsehfilm. Das kommt daher, wenn Leute versuchen (hier Esther Bernstorff mit dem Buch und Nicole Weegmann in der Regie), ein Thema zu bebildern und nicht eine Geschichte zu erzählen (wirkt besonders schmerzlich, wenn man grad vorher eine Doku über den Helmut Dietl und dessen Sprachregie und Drehbucharbeit gesehen hat; und jetzt dieses, hm, Text- und Drehbuchgebastele, das nur so strotzt vor Ahnungslosigkeit).

Die Grundidee zu diesem Fernsehfilm, die wäre ja pikant. Eine Mutter, obdachlos, asozial, stalkt ihre Tochter im Kindergarten, wo sie arbeitet. Sie spricht Kinder an oder taucht uneingeladen und unangekündigt auf der Hochzeit ihres Sohnes auf und macht Randale. Überhaupt macht sich die Mutter unmöglich, ist nirgendwo integrierbar, nicht mal in einem Heim für besonders schwere Fälle und schon gar nicht bei den Obdachlosen. Aber: selbst diese Fakten werden noch vergeheimnisst vor dem Zuschauer, der erst nach und nach die Grundkonstellation erfährt. Fazit: ein spannendes Thema vergeigt.

Die Fernsehmacherinnen, für die zuständige Redaktion stehen Claudia Simionescu und Anke Ferlemann, erfinden Situationen, die von dieser Mutter handeln. Es gibt Projekte, der Freund der Hauptdarstellerin Nadja (Brigitte Hobmeier), Jan (Nicholas Reinke) will nach Peru. Im Kindergarten wird sie für eine Weile ausgesperrt. Nadjas Bruder Micki (Volker Bruch) heiratet. Das ergibt allerdings noch keine Story. Dafür gibt es zwischendrin eine kleine Obdachlosen-Sightseeing-Tour. So ergeben sich immer neue Situationen, in denen die Mutter stören darf.

Jutta Hoffmann spielt diese Mutter vom Konzept her richtig – aber auf Grund mangelnden Charakterstudiums der Figuren und des Fehlens einer Geschichte schon von den Autorinnen her, ergo Papiermenschenbild, kompensatorisch mit weit übertriebenen, theatralen Mitteln, die im Film nicht hinreichend sind für Glaubwürdigkeit.

Weil die Geschichte fehlt, kommentieren die Figuren das Leiden an dem Fall mit Leidensmienen und bedröppelten Gesichtern oder schauen konsterniert oder schnaufen laut allein oder schlagen die Hände überm Kopf zusammen.

Den für dieses nicht dem Leben abgeschaute Werk zuständigen Damen sei empfohlen, sich Ken Loachs „I Daniel Blake“ anzuschauen; und wenn es um das Schreiben, Inszenieren und Spielen einer Pennerinnenrolle geht The Lady in the Van mit Maggie Smith.

Infogehalt des Filmes: Psychiater können Bescheinigungen ausstellen, damit ein Patient ein Einzelzimmer bekommt.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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