Die Ökonomie der Liebe

Er ist ein Trottel. Sie ist eine Rechthaberin. Sie sind verheiratet.

Sie sind verheiratet und haben zusammen zwei lustige kleine Mädchen. Sonst verbindet die beiden nichts außer Streitereien. Tagein, tagaus, jahrein, jahraus, wen interessiert das schon.

Sie hat das Geld für das Haus gebracht. Er hat das Haus in vielen Arbeitsstunden repariert, restauriert. Er behauptet, Architekt zu sein. Sie lacht darüber.

Sie hat Geld von der Mutter. Sie will ihn rausschmeißen aus dem Haus. Er aber ist nicht fähig, sich eine Bleibe zu suchen und zu finanzieren. So leben sie denn im selben Haus und doch getrennt. Funktioniert alles nicht so richtig. Und wenn er das schaffen würde, wäre der Film früher fertig und es hätte weniger Streitereien gebraucht. So aber dauert und dauert es, bis sie endlich die Scheidung einreicht und wir das Urteil in allen Details vorgetragen bekommen, ob wir wollen oder nicht.

Die Mädchen verstört das nicht besonders. Sie sind lustig mit dem Papa und sind lustig mit der Mama und spielen ein bisschen die Eltern gegeneinander aus. Das eine schlägt mehr nach der Mutter und ist fix im Kopfrechnen, das andere weniger.

Aber auch das spielt keine Rolle in diesem Film von Joachim Lafosse nach einem Buch von Fanny Burdino + 3. Nach 15 Jahren Zusammenleben schaut der Vater Boris Marker (Cédric Kahn) das erste Mal in die Bücher.

Seine Frau Marie Barrault (Bérénice Bejo) ist immer makellos gepflegt und scheint auch viel Zeit dafür aufzuwenden. Man fragt sich, wieso sie den Trottel geheiratet hat, wo die beiden doch so gar nichts gemeinsam haben.

Er betreibt dubiose Geschäfte und wie er deswegen verhauen wird, springt Marie sofort ein und macht 10′ 000 Euro, die er offenbar schuldet, locker. Den Kindern erzählt er etwas von Gestürztsein.

Die Regie glaubt wohl, im Theater zu sein. Mehr noch erweckt den Eindruck die Kamera, die hier die heimliche Herrscherin zu sein scheint. Es wirkt so, als behaupte sie, wo die Darsteller ihre Szenen zu spielen haben, damit sie möglichst wenig sich bewegen muss, allenfalls etwas sich drehen oder mal nach oben schwenken und offenbar nur ungern als Steadycam einen Weg weisend.

Die Kamera klebt in permanenter Halbnähe an den Darstellern, so dass das Gefühl eines Puppentheaters entsteht und der Zuschauer weder richtig mitgehen noch richtig sich distanzieren kann. Die Kamera nimmt in etwa die Position des Backofens in der Küche ein – das Team einer Sendung mit der versteckten Kamera würde diese Position zur Tarnung wählen.

Dadurch klebt der Zuschauer direkt an der Handlung, die wirkt, als versuchen Schauspieler Szenen zu spielen, als seien sie extra deshalb zusammengekommen. Je mehr es dem Ende zugeht, desto stärker drängt sich der Vergleich zu diesen TV-Gerichtssendungen auf. Wobei wir uns hier mit einer never-ending Vorgeschichte, dem Verzicht auf einen Prozess und lediglich mit einem Urteil abfinden müssen.

Tja, das wissen wir dann wengistens, wenn wir das Kino verlassen, wie dieser Fall, der uns sonst so gar nicht zu fangen vermochte, ausgegangen ist. Die Texte wirken wie am Computer fernab jeglichen Lebens ausgedacht. Aufgabe: ersinnt Streittexte für ein Ehepaar ohne Definition von Charakteren, Schicksalen oder Handlungen. Weiteres Indiz für das Fehlen einer Handlung: die Behelfsmaßnahme des Witzerzählens, gegen die ich inzwischen eine heftige Allergie entwickelt habe.

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