Sabine Kückelmann geht ihren Dokumentarfilm zum Thema vegane Ernährung ganz persönlich an. Sie fängt bei ihrem „Wake up Call“ in New York in Hells Kitchen an. Das Bild einer getöteten Kuh hat in ihr einen Erkenntnisprozess ausgelöst.
Den Zuschauer holt sie zuhause ab mit Bildern vom Oktoberfest, die die tierische Nahrung auf demselben hervorheben.
Für die geistige Begründung zitiert sie Albert Schweitzer, wir seien Leben, das Leben will, inmitten von Leben, das Leben will oder Shakespeare: die Welt fühlend sehen. Und das Gebot des Nicht-Tötens.
Diese Definition von Tierleben, als eines das fühlt und soziale Kontakte braucht und Liebe und Familie haben will, unterscheidet sich krass von der Descartschen Definition, der meinte, das Geschenk des Verstandes sei einzig den Menschen vorbehalten und der die Tiere als rein mechanistisch beschrieben hat, als schmerzunempfindlich; was denn auch das Töten von Tieren als kein ethisches Problem erscheinen lässt.
Demgegenüber muss der Mensch nach der Schweitzerschen Definition beim Töten von Tieren moralische Bedenken haben. Eugen Drewermann unterstützt dieses Argument damit, dass die Eskimos oder indigene Völker im Urwald, die auf das Töten von Tieren angewiesen sind, Skrupel dabei empfinden würden und macht auf einen essentiellen Unterschied zwischen Pflanze und Tier aufmerksam.
Während die heutige Tiertötindustrie das negiert und versucht, die Brutalität des Tötvorganges vor den Augen der Öffentlichkeit zu verbergen und mittels Einflussnahme auf die Gesetzgebung dem industriellen Töten Legitimität zu verleihen (der Begriff Tierschutzgesetz höre sich vertrauenerweckend an). Es ist eben nicht unbedingt ‚human‘ für Tiere, was dem Buchstaben des Gesetzes entspricht. Es ist vom Speziezismus die Rede, von Rassismus gegenüber den Tieren.
Sabine Kückelmann versucht im Gegensatz zu Hope for All – Unsere Nahrung, unsere Hoffnung nicht mit Aggressivität und mit Skandalisierung der Zustände in der pharmazeutischen Forschung (Tierversuche), in der Textilindustrie (Zuchtpelze) und in der Tiernahrungsindustrie (riesige Tierfabriken) den Zuschauer zu beeindrucken; vielmehr ist ihr Grundtenor ein erkenntnispraktischer: wie kann ich meine Einsicht verbreiten, wie kann ich Blockaden dieser Erkenntnis gegenüber begegnen, wie die Sensibilisierung kommunizieren? Sie fragt sich auch, woher die Gleichgültigkeit komme. Andererseits ist die Milchwirtschaft eine jahrtausendealte Tradition.
Kückelmann verzichtet auf die Skandalbilder nicht. Sie bringt sie illustrierend zu den Statements ihrer Gesprächspartner, einer breiten Palette von Menschen, die sich mit dem Thema befassen vom Theologen über den Tierrechtsaktivisten, Ärzte, Autoren, Sozialpsychologen, Ökotrophologin, ehemaliger Metzger, Restaurantbetreiber, Undercover-Journalist bis zum veganen Bodybuilder oder dem Betreiber eines Gnadenhofes und dazu ein Sketch, bei dem durchschnittlich gedankenlose Fleischkonsumenten vom Koch damit konfrontiert werden, dass er ihnen einen „Golden Retriever“ zubereitet habe. Dann mal guten Appetit!
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