Die Zeit der Frauen

Wir brauchen gar nicht die Nase rümpfen, ‚indisches Frauenemanzipationsmovie‘, dabei ist Gewalt in der Ehe und Gewalt gegen Frauen auch bei uns kein unbekanntes Phänomen, sonst bräuchten wir keine Frauenhäuser und die Verbrechensberichte in den Zeitungen wären weniger.

Allerdings scheinen die familären Strukturen und Hierarchie-Vorstellungen zwischen Mann und Frau besonders im ländlichen Indien doch deutlich erstarrter. Dafür hat dieses ländliche Indien in diesem Film von leena Yadav, die mit Spratik Sen auch das Drehbuch geschrieben hat, einen unendlichen Reichtum an Kulissen von Wohnungen und Häusern und der Ausstattung an Stoffen und Gewändern und auch Schmuck zu bieten, die allein diesen Film schon zum Schmuckstück prädestinieren. Wobei es darum ja gar nicht geht.

Es geht darum, dass die Witwe Rani (Tannishta Chatterjee) ihren halbwüchsigen, aber schon machohaften Sohn Gulab (Riddhi Sen) an Janaki (Lehar Khan) verheiratet. Janaki ist allerdings in einen anderen Boy verliebt, der sie auch weiterhin mit Büchern versorgt, was auf dem Land nicht gern gesehen ist.

Mit ihrer Freundin Lajjo (Radhika Apte), die kinderlos ist und von ihrem untauglichen Mann geschlagen wird, kann Rani alles besprechen. Zu den beiden stößt das Tanzmädchen Bijli (hört sich an wie das englische Wort „bitch“ und ein bisschen ist dem auch so), auch sie eine alte Freundin von Rani, aber sie führt ein anderes Leben als Tänzerin und Freudenmädchen, sie kleidet sich frivoler.

Es gibt im Dorf einen guten Menschen, den Textilunternehmer Kishan, der den Frauen textiles Arbeiten, Herstellen von Stoffen beibringt und sie seriös bezahlt, ein Mann der Fortschritt ins Dorf bringt. Die übrigen Männer sind Taugenichtse, Trinker und Nuttengänger. Die Frauen dürfen die Probleme ausbaden.

Lajjo, Rani und Bijli halten zusammen, seuchen die Probleme, die sich aus ihren Leben und deren Umständen ergeben, gemeinsam durch bis zu einem Befreiungsschlag.

Einen Vorgeschmack darauf bietet ein Ausflug mit dem Zirkusmottorrad, eine malerisch fröhliche Angelegenheit, deren Ziel eine Höhle ist, in der Lajjo einen Mann trifft, der ihr zur Schwangerschaft verhilft. Nicht etwa, dass ihr eigener, unfruchtbarer Mann sich später darüber freuen würde.

Es ist indisches Kino, das aus einem unendlichen Fundus hübscher, sinnlicher, begabter und auch gut zu unterscheidenden Charaktere auswählen kann, die in erotisch aufgeheizter Atmosphäre und eiliger Erzählweise bei guter Nachvollziehbarkeit für immer neue schöne Kinoblüten sorgen. Und auch erotische Schilderungen beherrschen sie, das mit der Rakete, dagegen verblassen deutsche Vorstellungen von gleißenden Gefühlen.

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