Das kalte Herz

Immerhin eine Geschichte, und was für eine (Das kalte Herz) Eine Geschichte, die im Schwarzwald im Köhler- und Glasmachermilieu spielt und wie der Titel sagt, vom kalten Herzen erzählt. Sie stammt vom großen Märchenerzähler Wilhelm Hauff.

Das ist nämlich gar kein Herz mehr. Das sind Menschen, die ihr Herz dem Holländer-Michel an Zahlung gegeben haben. Statt eines Herzen haben sie nurmehr einen Stein. Aber dafür irdischen Reichtum.

Im Kino ist das sicher eine Traumaufgabe, Märchen zu verfilmen. Gerade Hollywood hat längst entdeckt, wie sich mit Märchenverfilmungen richtig fett Kohle verdienen lässt, besonders die Gebrüder Grimm haben sich da als Abbauhalde als höchst ergiebig erwiesen. Wobei auch Wilhelm Hauff die Filmemacher immer wieder gereizt und inspiriert hatte, „Das Kalte Herz“ wurde bereits 1950 zum ersten Mal verfilmt laut IMDb.

Aus deutschen Landen war zuletzt von Wilhlem Hauff zu sehen die zauberhafte Puppentheaterverfilmung Kalif Storch in 3D (die haben allerdings nicht den Ehrgeiz gehabt, den Text neu zu erfinden).

Ob nun allerdings Regisseur Johannes Naber, der mit Steffen Reuter, Christian Zipperle und Andreas Marschall und unter Mitsprache diverser Fernsehredakteure auch das Drehbuch geschrieben hat, der begnadete filmische Erzähler ist, wage ich zu bezweifeln; seine beiden Vorgängerfilme Der Albaner und Zeit der Kannibalen (ein hier bei filmjournalisten.de lange und heftig diskutierter Film), sind nicht angetan, eine solche Behauptung zu stützen. Sie stellen andere Ansprüche.

Ein Märchen bezieht seinen erzählerischen Flow traditionellerweise aus dem Grundton „es war einmal“. Es entstand aus dem Erzählen, was, so behaupte ich es nun mal, an die Tonspur erhöhte Ansprüche stellt bezüglich Flow und Kontinuität und auch an Homogenität der Sprache der Figuren. Diesem Anspruch gegenüber scheint Naber praktisch taub zu sein oder er stellt ihn gar nicht erst und sein Cast ist auch nicht dazu angetan, diesen Anspruch von sich aus zu erfüllen, zu verschieden sind die sprecherischen Backgrounds und Bewusstseinsstufen der Darsteller. Die einzige Figur, die das mitbringt, ist das Glasmännchen von Milan Peschel.

Die Dialogbearbeitung ist notleidend. Das mag die kurze Frequenz belegen: „Ich habe dir Bier mitgebracht“ … „Das ist lieb von dir“ – was zum Teufel haben solche Sätze in einem Märchen zu suchen; oder spielt Bier eine entscheidende Rolle im Hinblick auf kalte Herzen? Wenn nicht, muss den Autoren fahrlässige Ahnungslosigkeit attestiert werden.

Wie um kompensatorisch diese Schwächen zu übertönen, tobt sich auf der Tonspur viel zu dick und viel zu fingerzeigig das Filmorchester Babelsberg aus; auch denen wäre ein Grundkurs über die Vertonung modernen Märchenerzählens dringend zu empfehlen.

Das möchte alles noch angehen, wenn denn die Hauptfigur, der Köhler Peter Munk, der vom an sich sympathischen Frederick Lau dargestellt wird, diese Differenz zwischen Herz und Herzlosigkeit klar und nachvollziehbar herausgearbeitet hätte und wenn ihm Buch und Regie dafür auch eine Grundlage geboten hätten. Ist nicht der Fall.

Und als ob das noch nicht reicht, wird die Wahrnehmungsökonomie des Zuschauers zwei Stunden lang massiv strapaziert mit der Aufdringlichkeit der weiteren Gewerke wie Maske, Kostüm, Ausstattung, überhaupt Studio Babelsberg mit Kulissenbau etc.; die haben sich überdeutlich sichtbar ins Zeug gelegt; haben womöglich Kamera und Regie dazu verleitet, sich noch stärker in Details (und nicht nur in überflüssigen Dialogsätzen) zu verzetteln.

Und so hübsch Peters Geliebte Lisbeth, besetzt mit Henriette Conufrius, auch ausschaut, ihr spitze, dünne Städterstimme wirkt auf dem Lande deplaziert, ein Besetzungproblem.

Es fehlt dem Film der Flow, die erzählerische Kontinuität, die Konzentation auf das Wesentliche des Märchens.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

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