Der NSU-Komplex (BR, Dienstag, 18. Oktober 2016, 22.30 Uhr)

Während der Kinofilm Der Kuaför aus der Keupstraße eindrücklich von der Opferseite der Terrorgruppe NSU berichtet und wie diese nach den Anschlägen unter den Verdächtigungen durch die Ermittlungsorgane leiden, sie seien ins organisierte Verbrechen involviert, der aber auch zeigt, wie sich die Politprominenz dann irgendwann das Ereignis für einen rauschenden Auftritt zunutze macht, arbeiten Stefan Aust und Dirk Laabs in ihrer Dokumentation die Sicht der staatlichen Aufklärung heraus, stochern in einem undurchdringlichen Verhinderungs-Dickicht von Verfassungschutz und V-Leuten kontra polizeiliche Aufklärung.

Was kurze Erwähnung findet: wie überhaupt der Rechtsextremismus nach der Wende in der Ex-DDR aufblühte bei einer vom Sozialismus geprägten Generation als Ersatz für die Strukturen, die das ehemalige Staatsystem doch geschaffen hat, ein Punkt, den weiter zu untersuchen sicher spannend wäre, aber auch ein Fakt, der für den gewohnten Westler nicht leicht nachvollziehbar ist, diese Begeisterung für Ku Klux Klan, Rassentrennung und Verehrung der Nazizeit.

Aust und Laabs arbeiten auch heraus, wie von anfänglich verbalem Protest, Angriffe auf Asylheime werden, wie sich ähnlich wie damals in der RAF eine immer extremere Entwicklung Bahn bricht, speziell beim Trio Mundlos-Böhnhardt und Tschäpe, wie sie der Verfassungsschutz ungehindert in den Untergrund abtauchen und dort offenbar in Ruhe lässt.

Also nicht nur aufkeimender Extremismus im Vakuum, was die DDR für diese Leute hinterlassen hat, sondern auch extremes Staatsversagen, das die Mordserie so lange hat anwachsen lassen.

Der Bericht arbeitet heraus, dies immerhin quasi zur Rettung eines doch noch Funktionierens des deutschen Staates, wie letztendlich hartnäckige Polizeiarbeit Erfolg bringt, wie man allmählich von der These der organisierten Kriminalität der Ceska-Täter abrückt, auch dank dem Profiler Alexander Stern und wie Öffentlichkeitsinitiativen der Polizei Druck auf die Täter ausüben, was nach langer Zeit endlich zum Selbstjustiz-Ende der beiden Haupttäter führt.

Bleibt zu hoffen, dass der Prozess in München bald zu einem Ende kommt und einige Unterstützer der Mörder sich ihrer Verantwortung stellen müssen. Und dass der Staat endlich alle Akten herausrückt, denn wenn er dies nicht tut, dann leidet doch sein Ruf, dann scheint es, als sei er mitgegangen, mitgehangen in diesen Verbrechen.

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