Welcome to Norway

Das bei uns aggressiv diskutierte Flüchtlingthema auf die Humanebene runtergetrimmt.

Ein entschärfendes, humanes, nordisch-lakonisches Licht auf das Flüchtlingsproblem wirft dieser Film von Rune Denstadt Langlo. Er holt das aufgeladene Thema auf die existentiell-menschliche Ebene herunter, in der es um das Überleben unter eingeschränkten Bedingungen geht.

Primus (Anders Baasmo Christiansen), der bereits mit diversen Unternehmungen Schiffbruch erlitten hat, will vorhandene Räumlichkeiten im abgelegenen, hohen Norden Norwegens wirtschaftlich nutzen nach dem Win-Win-Prinzip, jeder hat was davon; er will die Räumlichkeiten an Flüchtlinge vermieten.

Das Win-Win-Prinzip dürfte auch für diesen Film gelten, denn der Zuschauer gewinnt möglicherweise durch die episch-konkrete Erzählweise ein neues, weniger verbissenes Verhältnis zur hierzulande festgefahrenen und ins Bösartige kippenden Flüchtlingsdiskussion.

Kein Platz ist in diesem Film für Karrierismusdenken, für das Labern und Ausdiskutieren abstrakter und theoretischer Themen, nicht für eine Tumorgeschichte oder ausgewalzte Liebesleidensgeschicht, auch nicht für das Sicherheits- und Angstthema und es ist kein Platz für Action.

Hier wirkt das Herumwuchten eines Kühlschrankes zwischen Asylunterkunft und Wohnhaus von Primus und seiner Familie wie ein Staatsakt, ebenso das heimliche Entlehnen eines Notstromaggregats oder ein Stromausfall.

Wenn es härter zur Sache geht, zieht sich die Kamera zurück, wenn es ein ganz klein wenig blutig werden sollte. Der Film zeigt damit an, dass er dezidiert dem Zuschauer keine Angst vor Menschen machen möchte. Er nähert sich dem Zuschauer zutraulich, sachlich, das sind die Probleme, die jeder hier zu bewältigen hat, ist sein Untertext, und ganz ohne Tricks und ohne ab und an ein Auge zuzudrücken schafft es sowieso keiner, das gilt für den Herbergsvater, für die Flüchtlinge, für die Polizei, für die Behörden.

Der Film will so den Zuschauer für die gewinnende Geschichte gewinnen. Und er lässt, nachdem der Zuschauer Vertrauen gefassst hat, die Geschichte insofern gut ausgehen, als der Zuschauer nicht um die Zukunft seiner Progagonisten bangen muss, noch wird ihm ein doofes, billiges Happy-End zugemutet wie in „Ostfriesisch für Anfänger“. Der Zuschauer aber weiß die Leinwandfiguren, die er mögen gelernt hat, in guten Händen und würde sich keinesfalls wundern oder erschrecken, sie bei seinem nächsten Norwegen-Besuch leibhaftig anzutreffen – und allenfalls mit ihnen rumzukungeln.

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