Saint Amour

Etwas unausgegoren wirkt das Drehbuch von Benoît Delépine und Gustave Kervern (Der Tag wird kommen), die auch die Regie übernommen haben, als handle es sich um einen Geistesblitz zu später Literatenstammtischstunde: wenn wir Michel Houellebecq als Darsteller für eine Szene gewinnen können, verströmt das Produkt eh schon das Odeur höherer literearischer (Wein)Weihen.

Ja, was spielt er denn, der M.H., der literarische Tausendsassa? Er spielt einen Zimmervermieter und Familienvater. Er vermietet seine halbe Wohnung an das Trio Gérard Depardieu, Benoît Poelvoorde, die als Vater und Sohn sich mit Taxifahrer Mike („Mik und nicht Maik!“), Vincent Lacoste, auf eine Rundreise durch Frankreich begeben haben zur Erkundung der Weinkarte, um nebenbei von den Autoren wie am Küchentisch ausgeheckte Szenen zum Thema Frau abzuliefern.

Der kleine Trip ist eine Folge der Vater Sohn-Differenz, resp. von Vaters Bemühung, dem Sohn näherzukommen, ihm die Übernahme der heimischen Viehwirtschaft schmackhaft zu machen. Aber den Sohn zieht’s zum Wein. Poelvoorde spielt ihn als durchgeknallten Alkoholiker.

Die Rundfahrt geht von der Pariser Landwirtschaftsmesse aus (auf der waren wir neulich schon Unterwegs mit Jacqueline und als Vorspiel, als Präludium, gibt es eine kleine Rundtour der Degustation durch die verschiedenen Weingebiete, die sich auf der Messe präsentieren, und zwar nicht Tropfen beißend, sondern Gläser kippend.

Für die kleine Tour durch Frankreich beendet der Vater seine jahrzehntelange Abstinenz, die man dem Depardieu mit schlecht geklebter Weißhaar-Altersperücke nicht so ganz abnehmen will – vom schauspielerischen Duktus her nähert er sich immer mehr dem Altersmanierismus eines Marlon Brando.

Wobei das Ziel der drei Männer, die alle unbeweibt sind, im tieferen Sinne die Frau ist. Auch das wird stufenweise eingeführt von der kleinen Naiven bis zur rothaarigen Venus, Céline Sallette, eine wirklich schöne Frau mit verfrühter Menopause, ein einziges Ei hat sie noch auf Lager. Dieses Faktum wird dick für die frei Männer illustriert anhand der verschleppten Zubereitung des Frühstücksomelettes.

Alle drei dürfen über Venus steigen, wobei alle drei vorher auf kleine Mankos bei sich im Lendenbereich aufmerksam machen, wie gesagt, späte Einfälle eines im Alkoholdunst erbleichenden Literatenstammtisches.

Der Schauspielerpower der beiden Stars mit dem Taxifahrer als Sandwich wie ein Knorpel dazwischen hilft ein bisschen über das lausig zu Faden geschlagene und offenbar nicht weiter bearbeitete Drehbuch hinweg, das glaubte leichtfertig und leichthändig aus dem Starensemble, den Themen Wein und Stier und Venus als dem Weib an sich für den Mann an sich „irgend“ eine Geschichte basteln zu können.

Bei den Fahrten durch die Weinberge denke ich an die eindrückliche Dokumentation Von Menschen und Trauben und beim Roadmovie durch Frankreich an Catherine Deneuve in Madame empfiehlt sich, dem auch eine gewisse Beliebigkeit innewohnte, aber mit mehr Charme und Offenheit.

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