Inferno

Ein belämmerter Autor mit leicht retrograder Amnesie, der sich in Florenz, dessen Palästen und Gemäldesammlungen und außerdem bei Dante hervorragend auskennt, der aber in tumultöse Ereignisse hineingerät, die sein stabiles Weltbild in den Grundfesten erschüttern, das ist eine Paraderolle für Tom Hanks.

Er ist Robert Langdon und findet sich nach einem Bildersturm in seinem Kopf nach einem Treppenfall in einem Krankenhaus in Florenz wieder, aufmerksam betreut von Dr. Sienna Brooks (Felicity Jones).

In dieser Sequenz lässt Ron Howard, der Regisseur, der ein Drehbuch von Dan Brown nach dem Roman von David Koepp (Jack Ryan: Shadow Recruit) zu Grundlage hatte, nichts aus an verschwimmenden, stolpernden Erinnerungen und auch an Schmerzensäußerungen von Langdon. Howard reißt einen mitten hinein in einen Strudel von Ereignissen, die bald klar machen, dass es um das Überleben der Menschen geht.

Der Zuschauer hat da allerdings schon im Anspann Infos über die sich rapide akzelerierende Vermehrung der Menschheit erhalten und dass es eine Minute vor zwölf sei, bevor die Menge der Menschen den Planeten zum Kippen bringt.

Er hat auch schon Bekanntschaft gemacht mit Betrand Zobrist (der markante Ben Foster), dessen Philosophie ist, die Menschheit sei die Krankheit des Planeten sei und das Inferno das Heilmittel (gut sind wir in Florenz, wo Dante ein entsprechendes Kapitel in seiner Göttlichen Komödie geschrieben hat und Botticelli eine schöne Bebilderung dazu).

Zobrist stellt es sich so vor, dass er ein tödliches Virus auf die Menschheit loslässt, das in kürzester Zeit mindestens die Hälfte der Menschen wegraffen soll. Merkwürdigerweise ist Langdon nach seinem Aufwachen aus dem komatösen Zustand im Besitz eines auf ihn eingerichteten Faraday-Pointers, der für die Auslösung der Katastrophe eine wichtige Rolle spielt.

Nun sind verschiedene Mächte hinter diesem Teil her. Es ist die WHO, es ist dies eine einzelne italienische Carabiniera und noch eine weitere Organisation, von der wir nichts genauer nicht wissen.

Nach dem Expositionsteil, der uns wunderbare Drohnenaufnahmen von Florenz beschert und auch Dante-Zitate geht bald schon die Verfolgungsjägerei los. Noch halb am Tropf hängend muss Langdon mit der Krankenschwester, die erstaunlich gut informiert ist über ihn, fliehen.

Die ersten Fluchtwege lassen uns ein bisschen was vom altgewachsenen Florenz und seinen Palazzi sehen, geheim Gänge, die Boboli-Gärten, den Palazzo Vecchio, die Uffizien, Dachgebälk über unbezahlbaren Gemälden.

Einer der Verfolger ist Omar Sy als Christoph Bruder. Er arbeitet für die WHO, die die Welt retten will. Bald aber wird auch klar, dass hier nicht jedem oder jeder über den Weg zu trauen ist. Thriller eben.

Irgenwann ist auch Dantes Todesmaske aus der Hinter-Glas-Sicherung verschwunden. Und sie und das Motto „Suche und Finde“, das auf dem Inferno-Gemälde zu lesen ist, führen die Verfolgungsjagd weiter nach Venedig und von dort nach Istanbul.

Das passiert in bewährt gekonnt kurzweiliger Actionmanier. In Istanbul entdecken wir unter der Hagia Solphia eine antike Zisterne. Hier findet gerade ein romantisches, klassisches Konzert auf Inseln über rot bleuchtetem Wasser statt; ein schöner Ort für den Count-Down, in dem es um Sekunden geht, die Menschheit zu retten. Und wie Dante seine Beatrice hatte, so soll Robert seine Elizabeth bekommen.

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