Die Welt der Wunderlichs

Fritz Wunderlich war ein lyrischer Tenor, der bereits 1966, also vor 50 Jahren, gestorben ist. Sein Stimme ist erhalten und überstrahlt die Zeit. Der Name Wunderlich ist somit bis heute qualitativ und kulturell hochkarätig besetzt.

Dani Levy ist entweder kulturvergessen, ignorant oder er möchte diesem Namen eins auswischen (oder möchte er gar auf einen Kulturzerfall hinweisen; diesen gar selbsteigen demonstrieren?). Er gibt diesem Namen einen verwerflichen Klang. Er arbeitet mit dem Holzhammer, er erfindet Szenen, statt dass er Charaktere studiert. Er will mit diesem Titel und der dahinter steckenden enormen Anstrengung den Satz illustrieren, dass man die Familie brauche und es nicht alleine schaffen könne.

Levys offenbar bemerkenswerteste und erfolgreichste Leistung scheint die zu sein, Heerscharen von TV-Redakteuren als unseren Zwangsgebührentreuhändern und Filmförderern seine Idee, die nur so trieft von Klischees und sich distanzlos ein Brocken vom Erfolg der Casting-Shows einverleiben will, als förderungswürdig zu verklickern; diese Förderer und Redakteure dort abzuholen, wo Levy sie offenbar instinktsicher verortet, in den Regionen geistiger Minderbemitteltheit und des Glaubens an den Zauber von Castingshows.

Eine mit den Nerven runtergekommene Frau, Verkäuferin in einem Supermarkt mit einem hypernervösen Buben, der unter ADHS leidet, mit einem Vater, der dem Toni Erdmann-Film entliehen ist, mit einer unsinnlich-harten Schwester begnadet, hält ihren typisch öffentlich-rechtlichen-TV-Liebhaber für das Publikum ab 70 dazu an, ihrer Schwester mit Klischee-Anbandel-Sätzen wieder Lebensmut einzuhauchen. Auch der Ex dieser dünn-drahtigen Frau, die leider noch viel singen wird in diesem Film, ist eine kaputte Type und erst recht ihre Mutter, die dem verstaubtesten Darsteller-Fundus des öffentlich-rechtlichen Pfründensystem entliehen wurde. Es wirkt wie ein Text, der zu einem verdorbenen Essen entwickelt worden ist.

Um formal dem Anspruch auf Spannung stattzugeben, werden ein paar ausgelutschte Hindernisse auf dem Weg zur Castingshow eingebaut.

Die Familie ist laut, sie ist kaputt, so kaputt, wie sie das Leben nie schreibt, aber wie die TV-Redakteure und Fernsehförderer in ihrem angegrauten Weltbild für typisch zu halten scheinen.

Für diese kaputte Frau aus diesem kaputten Milieu soll nun der Lieschen-Müller-Traum vom Erfolg in der Casting-Show wahr werden, der sich, Dani Levy geht mit der Zeit, in Klickzahlen niederschlägt.

Dani Levy erzählt das so distanzlos, als sei er gläubiger Konsument dieser Shows. Da darf sich der geneigte Zwangsgebührenzahler, der diesen Schwachsinn gezwungenermaßen mitfinanzieren muss, gebührend aufregen, umso mehr als die künstlerischen Leistungen der Darsteller und des Teams sich darauf zu beschränken scheinen, den Eindruck zu erwecken, sie wären vor allem mit Geldzählen beschäftigt, mit dem Zählen der Drehtage und wie viel sie aus dem immensen Gebührenhaufen auf ihre eigenen Kassen umleiten können, von armen Haushalten mühsam abgespart, in die Kassen aufgeblasener Egos pfründenverwöhnter, der Natur und des Wettbewerbes entwöhnter Sekundärkünstler.

Anschauen wird sich dieses Machwerk, das noch dazu über die eh schon viel zu lauten Darsteller penetranten Lärm von Rio Reiser setzt, so gut wie niemand im Kino, ganz einfach, weil es dafür zu schlecht ist. Beweis für die Tendenz des deutschen Kinos, gänzlich im Subventions- und Zwangsgebührendünger zu veröden.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

2 Gedanken zu „Die Welt der Wunderlichs“

  1. Jedes Wort ist wahr. Ein absolutes Machwerk und ein Schlag ins Gesicht all derer,
    die sich um Qualität und Brisanz im deutschen Kino bemühen.
    Auf gut Deutsch gesagt: Eine einzige Zumutung!
    Susann Rauhaus

  2. Vielen Dank, Susanne Rauhaus, für Ihr Feedback.
    Besonders ärgerlich dabei ist, dass wir über die Rundfunkwangsabgabe vom Staat gezwungen werden, so ein „Machwerk“ wie Sie es nennen, mitzufinanzieren. Das ist skandalös.

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